Was alles mit einem Windows Phone 7 nicht geht

von: Elmar Geese | am: 16.02.2011 | Kommentare: 0

Das ist wirklich erstaunlich, was man im Discussion Board des Nokia Forum lesen kann, im Thread Symbian C++ to WP7 migration questions (Danke Jens). Dort stellt ein Entwickler fest, was mit dem neuen Windows Phone Betriebssystem alles nicht geht, und seine Annahmen überstehen ein ausführlichen Thread dazu. Auch wenn es teilweise absurd klingt, hier ein paar Auzüge:

* Users may not set custom ringtones (our app exports ringtones :( )
* No OpenGL-ES
* There is no support for third-party C/C++ on WP7 [...]
* WP7 does not support third-party multitasking or background tasks.
* Third-party apps can not open network socket connections
* No support in browser for any streaming – i.e. no HTML5, no Silverlight, no Flash.
* Publishers are limited to a maximum of 5 free apps …

Das sieht einfach nicht gut aus, und bedeutet:

  • Alles was für andere Plattformen gemacht wurde kann man wegwerfen, keine Chance für Wiederwertung. Bei Null anfangen
  • Geringe Attraktivität für App Entwicklung durch die offensichtlichen Restriktionen
  • Erwartungshaltung der Anwender werden nicht bedient, weil zeitgemäße Features fehlen

Wenn nicht so viele Arbeitsplätze dran hingen, wäre das ganz großes Kino. Jetzt will eine Gruppe mit dem Namen Nokia Plan B sich ins Board von Nokia wählen lassen. Dort soll Elop rausgeworfen, aber keine radikale Anti Microsoft Strategie gefahren werden. Auf dem US Markt könne man es ja mal versuchen, und wenn das Modell erfolgreich ist auch weiter ausdehnen. Aber bis dahin solle Nokia auf MeeGo und Qt setzen. Denn wie es den vormaligen strategischen Partnern ergangen ist, ist nur einen Link entfernt nachzulesen. Um es kurz zu machen: Natürlich schlecht.
Wird es diesmal anders sein? Wie lange wird es bei MS/Nokia dauern, bis Technik und Strategie so ausgerichtet sind, das konkurrenzfähige Geräte produziert werden können. Wie will man die Lücke zu den riesigen Android und iPhone Marktplätzen schliessen?
Das Plan B tatsächlich erfolgreich sein kann erscheint heute eher unwahrscheinlich, auch wenn zur Zeit der Nokia Kurs bis auf Übernahmeniveau abstürzt, obwohl sie immer noch Weltmarktführer sind. Es ist eine verrückte Welt, in der uns nichts mehr wundert. Auch nicht das Elop keine Lust auf Google als Partner hatte, ohne das irgendwie schlüssig begründen zu können. Nokia hätte von der Zusammenarbeit mit Google sicherlich profitiert, der Kurs stünde heute anders da. Jetzt warten wir zusammen auf das Ende von Nokia. Schade, ich habe die Geräte immer gemocht.

Heute fällt Meego, morgen QT

von: Elmar Geese | am: 11.02.2011 | Kommentare: 1

Jetzt ist es so gekommen wie wir alle längst erwartet haben: Die sinkenden Schiffe im Smartphone Markt, Nokia und Microsoft, haben aneinander festgemacht. Vermutlich glaubt Nokia, damit das rettende Ufer erreicht zu haben. Aber es ist ein Deal von dem nur Microsoft profitieren kann.
Der Kollateralschaden ist nicht nur im Verlust einiger Arbeitsplätze in Finnland zu suchen, um die dort jetzt besonders gezittert werden dürfte, es gibt auch weitere naheliegende Opfer. Als nächstes dürfte es Trolltech und damit die kommerzielle Entwicklung der QT Plattform treffen. Denn nach der neuen Strategie hat Nokia schlicht und einfach keinerlei Verwendung mehr für QT, denn Meego ist damit für Nokia erledigt, und damit Trolltech als Unternehmen und QT als Technologie.
Was wird nun passieren? Es wird sich vielleicht eine mitfühlende Hand finden, die sich Trolltech annimmt, und die bestehenden Verträge zuende führt. Neues Geschäft mit QT Technologie wird es schwer haben, zumal der mobile Markt nun zugemauert ist. QT ist dort nicht auf Windows neuestem Betriebssystem verfügbar, und “nebenbei” auch nicht auf Android, nicht mal unter Symbian. Desktopprodukte macht Nokia nicht, warum sollte es also weiterhin Geld in das Unternehmen stecken? Und auch dort ist QT nicht mehr auf dem Stand der Zeit, so wird unter Windows auch nach etlichen Jahren Verfügbarkeit .NET immer noch nicht unterstützt, da ist man noch bei ActiveX. Irgendwie erscheint das alles morsch und brüchig.
Intel kann sich jetzt mit Meego alleine vergnügen, was auf Dauer auch nichts bringt. Und was auch immer Intel tut, QT kann es dabei sowieso nicht gebrauchen. Es wird eng für Trolltech werden. Im weitestgehend nicht-kommerziellen Bereich gibt es ja noch KDE, und das braucht die Technologie wenigstens noch unter Linux. Vielleicht stellt sich ein heilsamer Schock ein, und die Community übernimmt die QT Entwicklung, das wäre eine Lösung. In den nächsten Jahren wird QT im Mobilbereich jedoch keine Rolle spielen, weder auf Smartphones, noch auf Tablets. Einen Großsponsor wie Nokia wird es nicht mehr haben, und ein neuer ist nicht in Sicht. Das Thema “unabhängige Plattform” hat sich für QT jedenfalls erledigt. Und die Open Source Community lernt nach der Oracle/Java Geschichte die nächste Lektion: kommerziell getriebene Open Source Projekte haben Probleme mit der Nachhaltigkeit. Bei Basistechnologien wie Meego oder QT kann das besonders wehtun.

1 Kranker + 1 Kranker = 2 Gesunde?

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: | Kommentare: 1

Ein moderner Satz der Nationalökonomie lautet: Wenn Nokia hustet, kriegt Finnland die Grippe. Inzwischen ist das Krankheitsbild von Nokia wohl eher als schwere Bronchitis zu bezeichnen, und die Wirtschaftswissenschaftler dürfen sich einen neuen Spruch einfallen lassen. In den USA hat Microsoft infolge von Übergewicht derart Atemnot, dass die Aktie seit Jahren kaum mehr die 30-Dollar-Marke schafft. Die Siegertypen von einst ringen heute verzweifelt um Luft.

In der neuen Disziplin der ITK, Mobility Computing, können sie gegenüber den Newcomern längst nicht mehr mithalten. Dabei war Nokia hier mit Abstand Meister aller Klassen, und Microsoft hat hunderte Millionen Dollar dafür ausgegeben, wenigstens auf Platz zwei zu kommen. Vergeblich.

Nach Angaben des Marktforschungsunternehmens Canalys war Nokia im 4. Quartal 2009 mit 44 Prozent Marktanteil noch klar marktdominant. Ein Jahr später waren es nur noch 31 Prozent. Platz Zwei hinter Google, dass es im gleichen Zeitraum von neun auf 33 Prozent gebracht hat. Apple hat den zweiten Platz von 2009 verloren, unverändert 16 Prozent Marktanteil reichten im vierten Quartal 2010 nur noch für Platz Drei. Research in Motion ist von 20 auf 14 Prozent abgestürzt. Microsoft hat die Underperformance von 2009 (sieben Prozent) mit zuletzt drei Prozent glatt noch einmal unterboten.

Es gibt also drei Verlierer im Smartphone-Markt: RIM -36, Nokia: -30 und Microsoft -20 Prozent. Und die letzten beiden tun sich jetzt zusammen. Besser gesagt: Nokia versucht zu retten, was zu retten ist, indem es sich Microsoft anschließt. Die Finnen wollen Windows Phone 7 zu ihrer zentralen Smartphone-Plattform machen. Man könnte spotten: Augenstarre Richtung Redmond sind die Spätfolgen jahrelanger Topjobs bei Microsoft. Denn die hatte Stephen Elop, bevor er Nokia-Chef wurde. Dass aus seinem Ziel, ausgerechnet mit dem erfolglosen Windows Phone 7 „die Marktführerschaft bei Smartphones“ zurückerobern zu wollen, nichts wird, ist absehbar.

Der traurige Aspekt dieses Bündnisses ist, dass dabei die Mobile-Linux-Umgebung MeeGo einen wichtigen Unterstützer verliert. Bisher galt diese Gemeinschaftsinitiative mit Intel erklärtermaßen als Nokias Zukunft. Seit einiger Zeit steht die MeeGo-Entwicklung unter Leitung der Linux Foundation. Der ist es gelungen, eine Menge Firmen für das Projekt zu gewinnen. Jetzt wird dieses Bündnis seine Fähigkeiten und seine Entschlossenheit unter Beweis stellen müssen. Der Gewinner des Tages ist aber erst einmal die andere Open-Source-Linie im Smartphone-Business: Google mit Android.

From Zero to Froyo

von: ckuest | am: 20.10.2010 | Kommentare: 0

The Bug Platform — an open source hardware project developed by the New York City based company buglabs — is working on the their next generation Bug 2.0 which includes bleeding edge hardware based on the TI OMAP3 platform.

If you follow the Embedded-Linux-Systems market in any way, you will know that there’s a special kind of Linux distribution out, which is especially developed for those tiny embedded systems: Android by Google. Since buglabs was very interested to see Android running on their Bug 2.0, guess which company popped into their minds when they thought about bleeding edge software running on bleeding edge hardware? … Yes, you are right!

We are very proud to announce that Android (Frozen Yoghurt) is now running on the Bug 2.0 hardware and it world premiered at the Verizon Developer Conference 2010! Expect some more information and porting documentation which will appear on the official buglabs community site.

So, thanks everyone involved! You know who you are!

Android, MeeGo, Symbian, iPhone6

von: Elmar Geese | am: 30.08.2010 | Kommentare: 0

Wenn man Business Software entwickelt, hat man einen anderen Blick auf die Landschaft mobiler Endgeräte. Die Plattformunabhängigkeit, die ein wesentlicher Innovationstreiber bei der klassischen Anwendungsentwicklung ist, ist im mobilen Bereich kein Thema. Denn dort tobt der Kampf der Plattformen unvermindert. Nach und nach kristallisiert sich sich jedoch ein Sieger heraus: Android wird das Rennen machen. Warum schafft es der Newcomer gegen die eingessenen Platzhirsche ?
1. iPhone ist als geschlossene Plattform businessuntauglich. Der App Markt ist gesättigt. Businessanwendungen gehen gar nicht. Die Zukunft der Geräteklasse iPhone ist ungewiss. Die 1rst Mover Vorteile von Apple sind aufgezehrt, und auch der Coolness Faktor sinkt. Es kann zwar noch eine ganze Weile erhebliche Zuwachsraten geben, aber das Rennen ist dennoch schon verloren.
2. MeeGo hätte technisch das Zeug zum Matchwinner, aber Nokia geht den Weg nicht konsequent. Daher: Nur ein einziger verfügbarer Gerätetyp, noch dazu ausschließlich im Luxussegment, das wird leider nichts. Ich mag mein N900 sehr, aber an Nokia glaube ich nicht. Die indifferente Strategie mit dem kaputten Symbian tut ein übriges. Das wird auch nichts.
3. Auch wenn es noch an vielen fehlt und die Gefahr durch Fragmentierung besteht: Android macht das Rennen, da bin ich mir 100% sicher. Viele verschiedene Geräte, gleichzeitig für den Massenkonsumenten wie für Spezialeinsätze geeignet, Open Source, das sollte genügen.

Vielleicht mag das bei den iPhone Fans wenig Begeisterung hervorrufen, und auch keine Zustimmung. Aber das das iPhone seinen Zenit überschritten hat kann man nicht ignorieren. Und Nokia kann sich langsam auf ein Leben ohne Marktführerschaft vorbereiten.

Mobile Anwendungen entwickeln

von: Elmar Geese | am: 03.03.2010 | Kommentare: 0

Die tarent Expertise im Bereich Mobile Anwendungen findet man auch in der April 2010 Ausgabe des Linux Magazins wieder, sogar als Titelthema. Es geht dabei um die Entwicklung mobiler Anwendungen.
Ein Großteil mobiler Smartphones lässt selbst programmierte Anwendungen ablaufen und liefert dazu auch die notwendigen Werkzeuge mit. Je nach Plattform unterscheiden sich Lernkurve, Tools und Grad des Zugriffs auf die mobile Hardware. Der Artikel liefert eine Bestandsaufnahme der drei großen auf Linux basierenden Mobilplattformen: Android, Maemo und webOS. Dabei beantwortet er die Fragen wie es um die Werkzeugunterstützung bestellt ist und wie die drei Plattformen aus Entwicklersicht abschneiden.

Mobile Devices: Open Source in der Offensive

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 16.02.2010 | Kommentare: 0

Der Mobile World Congress (MWC) in Barcelona markiert den vorläufigen Höhepunkt eines rasanten Trends zu Open Source – und zwar über Handys hinaus.

Microsoft bemühte sich in Barcelona, das unrühmliche Windows Mobile vergessen zu lassen. Jetzt soll Windows Phone 7 die erhoffte Topposition unter den Plattformen für mobile Geräte bringen. Gut sind die Aussichten allerdings nicht. Apple hat ganz im Stil seiner iPhone-Nutzung die Konkurrenz im Handymarkt rechts und links zur Seite geschoben. Der nächste erfolgreiche Newcomer ist schon unterwegs: Google’s Android hat einen beachtlichen Start hingelegt.

Der Markt ist in Aufruhr. Navigationssysteme sind in kürzester Zeit ein „Must have“ auf Handys geworden. Nokia hat zur Verteidigung der bröckelnden Topposition von Symbian schon Mitte Januar sein bisher kostenpflichtiges Geosystem Ovi Maps kostenlos zur Verfügung gestellt. Damit war es nicht genug: Auf Ende Januar zog der Konzern die eigentlich für Sommer geplante Freigabe von Symbian als Open Source vor. Auf der Basis der überlegenen Nokia-Navteq-Karten und mit einer Open-Source-Plattform können andere Unternehmen sehr einfach Programme und Services für Symbian entwickeln. Einfacher und ungehinderter als bei Apple.

Nokia lässt mit unerwarteter Geschwindigkeit und Konsequenz seine einstige proprietäre Vergangenheit hinter sich. In Barcelona spielten die Finnen zusammen mit Intel Microsoft an die Wand: Nokias quelloffene mobile Plattform Maemo wächst mit Intels Open-Source-Umgebung Moblin zusammen, beide werden zum Linux-basierenden MeeGo. Die neue Umgebung wird in jeder Hinsicht offen, dafür steht ihre neue Koordinierungsstelle Linux Foundation. Gerätehersteller und Netz-Provider können ihre eigenen App-Stores dafür aufbauen. Applikationsprogrammierer können mit dem offenen Entwicklungs-Framework Qt schnell ihre Anwendungen erstellen.

Geschenke und Freiheiten, am Markt nach eigenem Gusto zu agieren, kommen immer gut an. In der Folge dürfte sich der Handymarkt demnächst völlig neu darbieten. Den proprietären Systemen von Apple und Microsoft werden als weitere Schwergewichte gleich drei Open-Source-Plattformen gegenüber stehen: Symbian, Android und MeeGo. Wer hätte das vor einem Jahr gedacht?

Die MeeGo-Apps werden dank Qt sehr leicht auf andere Umgebungen zu portieren sein. Genau das ist gewollt. Denn MeeGo ist plattformunabhängig angelegt. Es soll nicht nur auf allen möglichen Handys und und den anspruchsvolleren Smartphones laufen, sondern auch auf anderen portablen Multimedia-Geräten, auf Internet-fähigen Fernsehern, Infotainment-Systemen in Autos, Tablets, Netbooks und überhaupt mobilen Computern.

Wenn das auch nur halbwegs gelingt, werden im IT-Markt von Handys bis zu Desktops die Karten neu gemischt. Die Zeit der stationären PCs läuft aus, und Microsoft sieht sich gleich einer mächtigen Gruppe von Konkurrenten gegenüber, die für die mobile Zukunft auf Linux und Open Source setzen. Das frustrierenste daran dürfte für Microsoft sein, dass der bisherige Hauptverbündete Intel dabei ist, ins Open-Source-Lager überzulaufen.

|