Tagesschau.de für den Einsatz Offener Standards ausgezeichnet

von: Nina Haering | am: 30.03.2011 | Kommentare: 0

Tagesschau.de, die Internetplattform der ARD, wird heute anlässlich des “Document Freedom Day” für den Einsatz Offener Standards ausgezeichnet. Die Auszeichnung verleihen die Free Software Foundation Europe (FSFE)  und der Förderverein für eine Freie Informationelle Infrastruktur e.V. (FFII) dafür, dass die angebotenen Sendungen zusätzlich im offenen Videoformat “Ogg Theora” verfügbar sind.

In Berlin überreichen FSFE und FFII eine Urkunde sowie eine Torte mit der Aufschrift “rOgg On!” an Sven Bruns, Leiter der Technik von tagesschau.de. In Hamburg nimmt die stellvertretende Redaktionsleiterin von  tagesschau.de Sabine Klein die DFD-Torte für die Redaktion entgegen.

“In einer Zeit, in der unfreie Videoformate noch dominieren, ist tagesschau.de ein Vorbild für andere Rundfunkanstalten, wie Nutzer ungehindert Zugang zu ihren Medien bekommen”, sagt Matthias Kirschner, Deutschland- Koordinator der FSFE.

Ogg Theora ist ein offenes Videoformat, das, im Gegensatz zu patentierten Videoformaten, jeder Software-Hersteller einfach und ohne Lizenzpflicht unterstützen darf. So ist es auch für die Software-Nutzer möglich, ohne die Abhängigkeit von einem Hersteller auf den unterschiedlichsten Geräten Ogg Theora abzuspielen.

Stephan Uhlmann vom FFII Vorstand: “Aus Bequemlichkeit kann man einfach das gerade dominierende Format unterstützen, statt auf Offene Standards zu setzen. Diese Dominanz kommt jedoch mit Patenten daher, deren exklusive Kontrolle lternative Software-Lösungen und spätere Innovationen blockieren. Mit Offenen Standards dagegen können Anwender ihre Software frei wählen. Ganz gleich ob Apple, Microsoft oder GNU/Linux: die  Videos von tagesschau.de werden immer abspielbar sein.”

Ogg Theora wird von allen Abspielprogrammen in gängigen GNU/Linux-Distributionen unterstützt. Durch den VLC-Player können Ogg-Dateien auch unter Microsoft Windows und Apples Mac OS X abgespielt werden. Des Weiteren unterstützen viele moderne Webbrowser das Format direkt.
Auf tagesschau.de gibt es alle regulären Video-Beiträge als Ogg Theora. Auf tagesschau24 wird das Video mit dem neuen Web-Standard HTML5 direkt eingebunden. An anderen Stellen muss noch manuell auf “Download der Videodatei” und dann Format “Mittel (Ogg)” geklickt werden.

“Wir hoffen, dass zeitbald alle weiteren Multimediainhalte — insbesondere die Mediathek und Live-Streams — auch in einem Freien Format verfügbar seien werden.  Außerdem würden wir uns über Ogg-Theora- oder  WebM-Videos in den besseren Qualitätsstufen freuen”, meint Matthias Kirschner.

Pressebilder der Preisübergabe werden am 30. März ab 14 Uhr auf http://wiki.fsfe.org/DFD-2011-Berlin-Hamburg-Bilder verfügbar sein.

Über den Document Freedom Day

Der Document Freedom Day (DFD) ist ein weltweiter Aktionstag für freie
Dokumtenformate und offene Standards. Er findet seit 2008 jährlich am
letzten Mittwoch im März statt. In den vergangenen Jahren haben über
200 Teams von Freiwilligen in über 60 Ländern anderen Menschen den
Wert von offenen Dokumentenformaten und offenen Standards vermittelt.
Dieses Jahr wird die Städtepatenschaft für Berlin von der tarent AG
und in Hamburg von inmedias.it GmbH übernommen.

Pressekontakte

Free Software Foundation Europe (FSFE)
Matthias Kirschner
mk@fsfe.org
Linienstraße 141, 10115 Berlin
Telefon: +49-30-275 95 290
Mobil:  +49-1577-178 000 3

FFII Geschäftsstelle Berlin
Stephan Uhlmann
uhlmann@ffii.org
Malmöer Str. 6, 10439 Berlin
Telefon: +49-170-4225008

Offene Dokumentenformate beim Bund: Kanzleramt allen voran

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 04.08.2010 | Kommentare: 0

Es dauert, bis sich der Amtsschimmel in Bewegung setzt. Die alte Erfahrung hat die Free Software Foundation Europe (FSFE) bestätigt bekommen. Die hatte wissen wollen, ob Behörden dem Rat der IT-Beauftragten nachkommen, der Anfang dieses Jahres von staatlichen Dienststellen verlangt hatte, dass sie das Open Document Format (ODF) unterstützen. Denn wenn sie dieses Format nicht lesen und schreiben können, schließen sie seine Nutzer von der Kommunikation mit Behörden aus.

Also verschickte die FSFE Briefe an 87 Ministerien und ihnen direkt zugeordnete Ämter. Darin forderte die FSFE sie auf, ihre Fähigkeit unter Beweis zu stellen, indem sie eine Antwort im OD-Format zurückschicken sollten. Nur sieben Behörden antworteten. Nur zwei machten es wie gewünscht per ODF-Datei: Das Bundeskanzleramt und das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV). Ein Lob also an Angela Merkels IT-Beauftragten im Bundeskanzleramt, Johannes Geismann, und seine DV-Spezialisten sowie an die IT-Verantwortlichen im BMELV.

Fünf weitere Behörden antworteten, verwendeten dabei aber nicht ODF; das Julius-Kühn-Institut (JKI, ein Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen), das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, das Bundesministerium des Inneren, das Bundespräsidialamt sowie der Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit. Alle fünf betonten immerhin in ihren Antworten, dass sie Offene Standards wichtig nähmen.

Enttäuschend ist, dass 80 Behörden nicht auf die Anfrage reagierten. Das müssen sie zwar nicht, aber ein Zeugnis von Bürgernähe ist solch ein Verhalten nicht gerade. Richtig ärgerlich ist, dass einige Ministerien nicht auf die Anfrage antworteten, obwohl ihre IT-Beauftragten im Rat der IT-Beauftragten sitzen und die ODF-Forderung beschlossen haben.

„Obwohl die Bundespolitik vernünftigerweise auf Offene Standards für Interoperabilität, Barrierefreiheit und Sicherheit setzt, wird deutlich, dass die meisten Behörden immer noch ineffiziente proprietäre Formate einsetzen“, kommentiert FSFE-Präsident Karsten Gerloff. „Insgesamt ist es eindeutig noch ein weiter Weg, bevor die Praxis der Richtlinie für ODF im öffentlichen Sektor entspricht.“

So ist das mit dem Amtsschimmel: Er braucht, um in Bewegung zu kommen. Aber schließlich bewegt er sich doch.

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