Open-Data-Plattform wird Open Source

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 06.12.2011 | Kommentare: 0

Open Data, also die programmatische Forderung, wonach viele Informationen der öffentlichen Verwaltungen, Bildungs- und Forschungseinrichtungen der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen sollen, gewinnt auch hierzulande an Boden. Die ersten Ansätze waren noch sehr zaghaft, und die dafür notwendigen Portale wurden aufwendig implementiert. Anders zum Beispiel in den USA: Die Obama-Administration präsentiert fast 400.000 Datensätze auf ihrer Open-Data-Plattform Data.gov.

Jetzt hat die US-Regierung auch noch deren Basis, die „Open Government Platform“, als Open Source veröffentlicht (Download). Diese Softwarekompilation versteht sich als „Data.gov-in-a-Box“. Sie soll es vereinfachen, Open-Data-Portale anzulegen. Es wird auf dieser Grundlage künftig wesentlich weniger Aufwand verursachen, durch Öffentlichkeit mehr Demokratie zu schaffen. Das bei Öffentlichkeitsverhinderungsstellen beliebte Kostenargument ist geplatzt.

Berlin startet mit Open Data – ein wenig open, ein wenig data

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 15.09.2011 | Kommentare: 0

Anderswo ist man weiter, vor allem in Großbritannien. Viel weiter mit der Umsetzung einer Forderung, die hierzulande noch wenig Echo in der öffentlichen Debatte gefunden hat: Open Data. Es läuft darauf hinaus, dass alle Daten mit Ausnahme der persönlichen und sicherheitsrelevanten, für deren Erhebung Bürger und Unternehmen mit ihren Steuergeldern bereits einmal bezahlt haben, frei und in offenen Formaten zugänglich und nutzbar sein sollen. Darüber, wie vor allem Behörden sich dem widersetzen, wurde unlängst hier berichtet.

Doch es tut sich wenigstens etwas. Als erstes Bundesland hat Berlin heute auf einem Open-Data-Portal 18 Datensätze veröffentlicht. Sie enthalten Informationen aus den Bereichen Bildung, Demografie, Handel und Dienstleistungen, Immigration, kommunale Services, Mikrozensus-Ergebnisse, Stadtplanung, Umwelt und Wahlen. Die stammen größtenteils vom Statistischen Landesamt. Hinzu kommen Berlin-Karten aus dem Projekt OpenStreetMap.

Das Ereignis wurde von Politikern natürlich ordentlich gefeiert als „Basis für offenes Verwaltungshandeln“ oder „wichtigen Meilenstein auf dem Weg zu einer transparenteren Verwaltung in Deutschland“. Das Nachrichtenportal HeiseOpen berichtet allerdings auch von deutlicher Kritik: Nicht alle Datensätze stehen unter einer Creative-Commons-Lizenz, lassen sich also nicht weiterverwenden. Ohnehin sind die meisten Datensätze nicht maschinenlesbar und haben keine Dokumentation. Überdies verfolge die Senatsverwaltung für Stadtplanung eine eigene Initiative, die „weder open, noch data“ sei.

Immerhin: Seit einem Open Data Day im Mai dieses Jahres gibt es eine Berliner Open Data Agenda als Vorschlag für eine Richtschnur für die Freigabe öffentlicher Daten. Solange Senat und Bürgermeister der Bundeshauptstadt sich nicht ausdrücklich dahinter stellen und die Sache vorantreiben, dürften immer wieder Behörden aus der Reihe tanzen. Aber der Anfang ist gemacht. Momentan ist das wichtig für die weitere Diskussion und Vertiefung des Themas Open Data. Anderen Bundesländern und Gemeinden ist ein erstes deutsches Beispiel gegeben. Das ist lobenswert.

Open Source 2.0: Open Data

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 15.08.2011 | Kommentare: 1

Das Thema hatten wir hier schon einmal, nämlich im Januar dieses Jahres: Open Data, aus Steuern finanzierte Informationen gehören auch den Steuerzahlern! Dankenswerter Weise hat es jetzt Oliver Diedrich, Chefredakteur von heiseOpen, wieder aufgegriffen und einem breiterem Publikum vorgestellt. Es hätte allerdings mehr Inhalt verdient gehabt. Denn es ist ein Zukunftsthema, welches die Demokratisierung unserer Gesellschaft betrifft.

Die Forderung Open Data umfasst drei Bereiche. Erstens und vor allem ist der Zugang zu Daten der Behörden gemeint (Open Government), beispielsweise Geodaten über Trassen der Straßen, Bahnen oder Wasserwege vom Bundesamt für Kartographie und Geodäsie oder die Informationen des staatlich finanzierten Deutschen Wetterdienstes. Zweitens bezieht sich die Forderung für den freien Zugang zu staatlich finanzierten wissenschaftlichen Arbeiten (Open Access), was das Gros der Arbeiten von Universitäten und Forschungsgesellschaften betrifft. Drittens gehört dazu natürlich alles, was als Open Content unter der Creative-Commons-Lizenz publiziert worden, also eh schon frei verfügbar ist. Ausgeschlossen sind personenbezogene oder sicherheitsrelevante Daten.

Die letzte Einschränkung lässt sich natürlich sehr weitgreifend auslegen. Das haben die Behörden hierzulande aber noch nicht einmal nötig. Zwar gibt es ein Informationsfreiheitsgesetz und ein Verbraucherinformationsgesetz. Aber die dort verankerten Ausnahmen von der Auskunftspflicht umfassen auch Dinge wie „wettbewerbsrelevante Informationen“. Damit und mit Sicherheitsbedenken lässt sich vorzüglich mauern. Die Behörden seien „sehr kreativ“, das Auskunftsrecht der Bürger auszuhebeln, hat längst der Bundesbeauftragte für den Datenschutz, Peter Schaar, kritisiert.

Tatsächlich landet die Bundesrepublik Deutschland in einer Auflistung des Comprehensive Knowledge Archive Network (CKAN) über frei zugängliche Informationen unter ferner liefen. Großbritannien, ausgerechnet das Land, dessen Europa-weit dichteste Videoüberwachung auch nicht vor den brutalen Gewaltausbrüchen der letzten Tage geschützt hat, ist in Sachen Open Data am weitesten. Die Behörden sind verpflichtet, in einem hierzulande unvorstellbaren Ausmaß ihre Informationen im Internet zu veröffentlichen.

Open Data war auch in Großbritannien nicht eine schnell akzeptierte Forderung; die Auseinandersetzungen darüber dauern weiter an. Wer mehr über deren Geschichte und Verlauf erfahren möchte, schaue sich einmal den Blog von Glyn Moody auf „Computerworld UK“ an.

Inzwischen haben hierzulande Organisationen wie Greenpeace recht erfolgreich in dieser Sache die Öffentlichkeit eingeschaltet. Beispielsweise hat der „Spiegel“ darüber berichtet. Open Data ist allerdings auch eine Forderung, die Open-Source-Organisationen angemessen wäre. HeiseOpen-Chefredakteur Diedrich schreibt zu Recht, dass offener Sourcecode auch nicht jedem nützlich ist, aber letztlich alle Anwender davon profitieren. Genauso wird nicht jeder mit offenen Daten etwas interessantes anzufangen wissen. Aber Spezialisten werden aus ihnen einen Nutzen für viele schaffen.

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