Libre/OpenOffice können bald besser mit MS Office

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 30.07.2012 | Kommentare: 0

Sobald Dokumente etwas komplexere Elemente beinhalten, erleben Anwender von LibreOffice und OpenOffice immer wieder ärgerliche Überraschungen: Nach dem Import aus MS Office – egal ob aus Word, Excel oder Powerpoint – sind eingebettete Elemente wie Aufzählungen, Bilder, Rahmen oder Tabellen nicht mehr korrekt dargestellt, Kommentare fehlen manchmal schon mal ganz. Das Problem resultiert aus Inkompatibilitäten der XML-Formate der Open-Source-Lösungen und dem Microsoft-eigenen OOXML.

Um das zu beheben, hat die Open Source Business Alliance schon Ende letzten Jahres eine Arbeitsgruppe „Office Interoperability“ ins Leben gerufen. Die brachte im Dezember eine Spezifikation „Layout-getreue Darstellung von OOXML-Dokumenten in Open Source Office Anwendungen“ (PDF) heraus. Nur war die nicht so einfach umzusetzen. Doch jetzt ist es so weit. Denn die deutschen Kommunen Freiburg, Jena und München, das schweizerische Bundesgericht, das Schweizer Informatiksteuerungsorgan des Bundes (ISB) und der Kanton Waadt bringen dafür gemeinsam 140.000 Euro auf.

Suse und der Hamburger Open-Source-Anbieter Lanedo programmieren bereits die Erweiterungen. Etwa Ende September sollen sie fertiggestellt sein. Sie werden sich in LibreOffice wie in OpenOffice integrieren lassen, denn die Neuerungen werden unter der Apache-2-Lizenz erscheinen.

Die Geldgeber haben ein großes Interesse an diesem Projekt, denn bei ihnen arbeiten rund 18.000 Mitarbeiter mit den Open-Source-Produkten. Ihr finanzielles Engagement reicht allerdings nicht aus, um die Einbettung von Schriften zu ermöglichen. Dazu wären weitere 30.000 Euro notwendig. Die OSB Alliance hat ein Konto für Spenden eingerichtet.

Ein Lebenszeichen von OpenOffice

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 16.05.2012 | Kommentare: 0

Nach einer gefühlten Ewigkeit tut sich wieder etwas bei OpenOffice. Die Apache Software Foundation (ASF) hat die Version 3.4 freigegeben, 16 Monate nach der Version 3.3. Gleichzeitig ändert sich wie erwartet der Name: Das .org entfällt; dafür heißt es jetzt offiziell Apache OpenOffice (AOO). Die Änderungen im neuen Release gehen zum Teil schon auf Entwicklungen zurück, die zu Zeiten der Oracle Herrschaft (bis Juni letzten Jahres) entstanden. Aber es gibt auch darüber hinaus gehend eine Menge Neuerungen, die belegen, dass die Community um dieses Produkt, eines der erfolgreichsten der Open-Source-Geschichte, durchaus lebendig ist. Eine Übersicht über die Änderungen und Erweiterungen findet sich hier.

Wichtiger als technische Details ist wohl die Nachricht, dass OpenOffice lebt. Bei oberflächlicher Beobachtung konnte aufgrund einer Vielzahl von LibreOffice-Releases, der Eindruck entstehen, dieser abgespaltene Fork habe einfach mehr Dynamik. Man muss schon Vertrauen haben, dass die ASF eine solide Organisation ist, die ihre Projekte ruhig und entschlossen leitet – und folglich auch OpenOffice gute Perspektiven bietet.

Trotzdem waren Anwender von OpenOffice verunsichert. Privatanwender haben in Massen die Fahnen gewechselt. Aber bei den Anwendern in Industrie und öffentlicher Verwaltung ist das nur in wenigen Fällen geschehen. Diese professionellen Anwender haben sich richtig Sorgen gemacht, was nun aus OpenOffice wird. Keiner von denen, die sich erst vor kurzem von MS Office befreit haben, möchte gleich wieder die nächste Migration. Sie würde bedeuten, dass man aufs falsche Pferd gesetzt hat – nicht gerade gut für das Image der IT-Entscheider.

Kein Produkt, schon gar nicht eins aus der Open-Source-Welt wird sich ohne Verbesserungen durch neue Versionen lange am Markt halten können. Eher früher als später steht doch die Frage an, ob man nicht doch zu LibreOffice wechseln sollte. Zumal der Aufwand nicht so groß ist, weil LibreOffice ein Plug-in-Replacement ist. Diesen Anwendern kommt die erste neue Version unter Apache-Hoheit sicher sehr gelegen.

Ein mögliches IT-strategisches Argument („totes Produkt“) kann also nicht mehr verfangen. Es gibt sogar ein sehr gutes, weiterhin bei der Stange zu bleiben. Denn IBM bringt Features von Lotus Symphony, auch ein OpenOffice-Fork, in Apache OpenOffice ein. Es hat zwar fast ein Jahr gebraucht, bis die Apache Software Foundation OpenOffice aktualisieren konnte. Aber die Zeitintervalle dürften künftig kürzer ausfallen.

Hintergründe zu Oracle’s OpenOffice-Geschenk an die Apache Foundation

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 06.06.2011 | Kommentare: 0

Zahlreiche Open-Source-Produkte sind für Großunternehmen aus der IT-Branche unverzichtbar. Das ist die wichtigste Lehre aus aktuellen Vorgängen. Oracle interessiert sich zwar ausschließlich für Linux und (ein wenig) für MySQL. IBM aber hat umfassendere Ambitionen und scheut sich nicht, dafür tief in die Tasche zu greifen. Als Oracle das Interesse an dem mit der Übernahme von Sun erhaltenen OpenOffice verlor, weil es sich nicht so einfach zu einer Gelddruckmaschine machen ließ, sprang IBM ein, denn das Büropaket hat für Big Blue strategische Bedeutung.

Offenbar hat IBM in den letzten Wochen intensiv mit Oracle verhandelt und das Unternehmen mit sanftem Druck zu einer akzeptablen Lösung eines Problems bewegt. Oracle übergab am 1.6. OpenOffice.org (OOo) samt aller damit verbundenen Rechte an die Apache Software Foundation (ASF). Dort durchläuft dieses sehr verbreitete Produkt einen aufwändigen Evaluierungs- und Organisationsprozess (Incubator, ausführlicher hier). Mit größeren Problemen ist dabei nicht zu rechnen, so dass die Software eines Tages unter der Apache License 2 stehen wird und vielleicht den Namen Apache OpenOffce tragen wird.

Wie stark IBM in die Aktion involviert war, zeigte eine Pressemitteilung, die das Unternehmen am gleichen Tag veröffentlichte. Es versprach eine „aktive, unterstützende Rolle in der neuen OpenOffice.org“, man werde die weitere Entwicklung auch durch personelle Ressourcen unterstützen – offenbar beendet Oracle alle Entwicklungsarbeiten an OpenOffice. IBM braucht ein lebendiges OpenOffice-Projekt mit hohem Ansehen, was beides in der Oracle Zeit gelitten hat. Denn IBMs Bürosoftware-Suite Lotus Symphony basiert in weiten Teilen auf OpenOffice.

Aufschlussreich sind auch die danach erschienenen Statements führender IBM-Mitarbeiter in dieser Sache. Denen ging es vor allem darum, zu erklären, dass Apache und sein OpenOffice-Projekt trotz des Engagements von IBM unabhängig sei. Ed Brill, Director Lotus Software bei IBM, schrieb in seinem Blog: „In der Apache-Welt bewegen sich Projekte nach dem Willen von Individuen, nicht nach dem von Firmen.“ Bob Sutor, der für die Open-Source-Orientierung zuständige IBM-Vice-President, entwickelte auf seinem Blog zwar einige Ideen für die Zukunft von OpenOffice, versicherte aber, damit der Apache-Stiftung nicht hereinreden zu wollen.

Ein IBM-Mitarbeiter wird im künftigen OpenOffice-Projekt eine hervorgehobene Rolle spielen. Denn die Apache Software Foundation berief Rob Weir in das Leitungsgremium des Projekts. Weir vertritt IBM in diversen internationalen Standardisierungsgremien und spielte eine maßgebliche Rolle bei der Verabschiedung des Office-Standards Open Document Format (ODF). Jetzt betonte er, sich für „die Meritokratie des Apache-Prozesses“ stark machen zu wollen. „OpenOffice muss Vielfalt zeigen… Zu viel IBM- und/oder Oracle-Einfluss werden OO.org nicht helfen.“ Er rief IT-Unternehmen und Einzelentwickler auf, sich an der OpenOffice-Programmierung in dem Apache-Projekt zu beteiligen und beschrieb gleich detailliert die Arbeitsweise.

Wie wichtig die Apache-Stiftung das OpenOffice-Projekt nimmt, zeigt sich auch daran, dass Jim Jagielski, President der ASF, sein Mentor im Aufnahmeverfahren ist. Der brachte gleich ein weiteres Ziel der Organisation zur Sprache: Er habe bereits Kontakt zur LibreOffice-Organisation The Document Foundation aufgenommen und „hoffe, dass wir zusammenarbeiten können“. Die Schirmherrschaft von Apache nährt Hoffnungen auf eine Wiedervereinigung von Open- und LibreOffice. IBMs Bob Sutor: „Ich hoffe, dass OpenOffice in Apache betrachtet wird als ein Weg, einige Stränge zusammenzubringen, die sich von der Hauptprojektlinie in den letzten Jahren getrennt haben.“

Doch die Document Foundation hat bisher verhalten reagiert. Italio Vignoli, Mitglied in ihrem Steering Committee, bekundete zwar eine generelle Gesprächsbereitschaft, zeigt sich ansonsten aber eher zurückhaltend. Zuerst müssten diverse lizenzrechtliche Probleme um LibreOffice-eigene Entwicklungen aus dem Weg geräumt werden.

Oracle befreit sich vom OpenOffice-“Ballast“

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 21.04.2011 | Kommentare: 0

Oracle beweist ein geradezu unglaubliches Geschick darin, die Open-Source-Gemeinde gegen sich aufzubringen. Der jüngste Fall ist die Erklärung, künftig keine kommerzielle OpenOffice-Version zu wollen. Die Bürosoftware solle ein von der Community verwaltetes Projekt werden. Besonders letzteres kling zunächst ganz gut. Aber sonst klingt gar nichts gut an der Verlautbarung von Oracle.

Denn das Unternehmen lässt sämtliche Fragen in diesem Zusammenhang unbeantwortet. Vor allem: Wird Oracle die Weiterentwicklung von OpenOffice finanziell unterstützen? Es schaut nicht so aus, denn die Firma erklärt lediglich, das Open Document Format (ODF) unterstützen zu wollen. Das könnte auch heißen, dass Oracle die in Hamburg angesiedelten Entwicklerkapazitäten, die ehemaligen StarOffice-Truppe, nicht mehr zur Verfügung stellt.

Offenbar sieht Oracle keine Möglichkeit, mit OpenOffice Geld zu verdienen. Und das ist bei der Firma nun einmal die Maxime. Das Image, eine Geldmaschine zu sein, kommt nicht von ungefähr. Das präzise Gegenteil einer Wohlfahrtsorganisation. Oracle erklärt, Linux und MySQL hätten einen breiten Zuspruch bei kommerziellen und behördlichen Kunden gewonnen. OpenOffice erwähnt die Firma nicht. Sie erklärt aber an anderer Stelle, es gebe ein breites Interesse an kostenlosen Anwendungen. Daran kann man eben nichts verdienen.

Also schmeißt Oracle der Community OpenOffice quasi vor die Füße und flucht: Dann seht halt selbst zu, wie ihr das Projekt weiterentwickelt kriegt. Damit ist OpenOffice allerdings nicht am Ende – auch wenn sich die Document Foundation genötigt sah, gleich zu bekräftigen, man werden den Fork LibreOffice wie geplant weiterentwickeln. Tatsächlich bietet sich die Document Foundation als Verwalterin von OpenOffice an. Beide Zweige könnten wieder zusammenwachsen. Als von Oracle unabhängige Einrichtung träfe sie sicher auf Firmen, die anders als Oracle ein Interesse an einer Alternative zu MS Office haben.

Oracle aber hat sich selbst ins Bein geschossen. Es geht nicht nur darum, dass die Firma wieder einmal in der Open-Source-Community für Verwirrung und Verärgerung gesorgt hat. In einer IT-Welt, in der Open Source immer stärker an Gewicht gewinnt, ist Oracle auch für andere Unternehmen suspekt. Eine Firma, die nur auf das eigene Interesse bedacht ist und dabei sprunghaft agiert, ist kein verlässlicher Partner.

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