Ausbau Produktportfolio: tarent übernimmt sämtliche Anteile von OSIAM

von: Nina Haering | am: 04.03.2013 | Kommentare: 0

Im Zuge des Ausbaus ihres Produktportfolios übernimmt die tarent AG sämtliche Anteile der OSIAM GmbH.

“Die sichere Verwaltung und Verwendung von Systemzugängen und identitätsbezogenen Stammdaten ist eines der Kernelemente vertraunenswürdiger Anwendungen. Mit OSIAM erhält nicht nur unser eigenes Produktportfolio ein zuverlässiges Fundament, sondern wir ermöglichen auch unseren Kunden die Entwicklung eigener Anwendungen auf dieser Basis. Das erlaubt uns, wie auch unseren Kunden, die Konzentration auf die Fachlichkeit und damit den eigentlichen geschäftlichen Nutzen der Anwendungen.” sagt Kai Ebenrett, Chief Business Development Officer der tarent AG.

Als Open Source Lösung spielt OSIAM zukünftig eine zentrale Rolle im Angebot der tarent AG und soll darüber hinaus auch der Open Source Community zur Verfügung stehen um personenbezogene Daten in Anwendungen auf breiter Front abzusichern. Ebenso freut sich die tarent AG über Unterstützung aus der Community zur Weiterentwicklung von OSIAM.

Die Integration der OSIAM GmbH wird innerhalb der ersten Jahreshälfte 2013 umgesetzt, während sich die OSIAM Produktentwicklung bereits jetzt mit den Anforderungen aus dem tarent Produktportfolio auseinandersetzt.
Dank eines agilen Entwicklungsvorgehens werden nutzbare Ergebnisse daraus in den nächsten Wochen für die Community zur Verfügung stehen.

Über die tarent AG:
Die tarent AG, mit Sitz in Bonn und Berlin, entwickelt seit 1996 projektbasiert Lösungen für Kunden aus Privatwirtschaft und dem öffentlichen Bereich. Insgesamt erwirtschafteten die aktuell 150 Mitarbeiter im Jahr 2012 15,9 Mio. Umsatz.
Aus dem Projektgeschäft kommend setzt die tarent AG zunehmend auch auf die Entwicklung und den Vertrieb eigener Produkte, die unter Open Source Lizenz den Anwendern in aller Welt zur Verfügung stehen.

Über die OSIAM GmbH:
Die OSIAM GmbH wurde 2011 gegründet und entwickelt die Identity & Access Management Lösung “OSIAM”.
Einer klaren Open Source Strategie folgend wurde im Dezember 2012 unter www.osiam.org das zweite Release veröffentlicht das neben einer mandantenfähigen Identitätsverwaltung mit flexiblem Datenschema auf Portaltechnologie, Komponenten zum flexiblen Einsatz von Autorisierung und Authentifizierung enthält. Dazu unterstützt OSIAM Standards wie SAMLv2, OAuth2, HOTP, OpenID und XACML.

Vortrag zum interaktiven Funkstreifenwagen auf der CeBIT

von: Ina Langenhorst | am: 13.02.2013 | Kommentare: 0

Vom 05.-09. März 2013 öffnet die Messe Hannover wieder die Tore für IT-begeisterte Besucher der CeBIT aus aller Welt.

Wir freuen uns, wenn wir Sie am Samstag, 09.03.2013 um 14:30 Uhr im CeBIT Open Source Forum  begrüßen dürfen! Thomas Haase ist der Projektleiter des “interaktiven Funktstreifenwagens” und wird über das Projekt, welches mit der T-Systems entstand,  für die Polizei Brandenburg berichten.

Dabei  wird er rückblickend die Entwicklung des “interaktiven Funkstreifenwagens” schildern und die Vorteile die sich aus der Entscheidung für eine OpenSource-Lösung ergeben haben. Nähere Informationen finden Sie hier in der aktuellen Ausgabe des Behördenmagazins, ab Seite 5.

Sie schaffen es leider nicht persönlich? Der Vortrag wird auch auf der Website des Linux-Magazins,  übertragen und steht später im Onlinearchiv zur Verfügung.

 

Open-Source-Organisationen öffnen sich

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 05.11.2012 | Kommentare: 0

Der in letzter Zeit deutlich zunehmende Trend zu Open Everything (siehe den letzten Blog-Beitrag hier) hat deutlich Auswirkungen auf klassische Open-Source-Organisationen gehabt. Bei ihnen steht nicht mehr allein die Verbreitung von Open-Source-Software und ihrer Prinzipien im Vordergrund. Die Erweiterung des Begriffs Offenheit auf andere Bereiche war anfangs keine bewusste strategische Entscheidung. Dem Adjektiv Open galt allerdings eine grundsätzliche Sympathie.

So wurde das Projekt Open Streetmap, das nichts mit Sourcecode zu tun hat, vorbehaltlos als „gut“ angesehen. Dieses Projekt hat seinerseits initiale Wirkung für die Forderung nach Open Data und Open Government gehabt. Open-Source-Anbieter, darunter auch tarent, haben sehr früh erkannt, dass sie für diese Wellen gute Voraussetzungen mitbringen. Denn Open Data und Open Government funktionieren nur auf der Grundlage unabhängiger und offener Schnittstellen, auf internationalen Standards sowie mit offenen Dokumentenformaten. Die so erweitere Interessenlage der Open-Source-Anbieter hat sich alsbald in der Ausrichtung der Open-Source-Organisationen niedergeschlagen.

Kurz vor dem Zusammenschluss von Linux-Verband (LIVE) und Linux Solutions Group (LiSoG) zur Open Source Business Alliance (OSB Alliance) Mitte letzten Jahres gab es auf dem LinuxTag eine Diskussionsrunde zum Thema „Open Minds Economy“. Thema war, was sich alles öffnen ließe beziehungsweise eine Öffnung verdiene. Auf dem LinuxTag 2012 wurde daraus bereits eine ganztägige eigenständige Veranstaltung, die konkreter Open-XYZ-Segmente beschrieb.

Noch zu Zeiten der LiSoG war in ihr aus Diskussionen über das Verhältnis von Open Source und Cloud Computing – hier geht es nicht mehr um die Verfügbarkeit von Sourcecode – bereits das Open-Cloud-Projekt Deutsche Wolke entstanden. Es wurde unverändert in die OSB Alliance übernommen und bildete den Kern des erstens Auftritts des Vereins auf der CeBIT 2012. Seit dem Sommer letzten Jahres ist aus der LinuxTag-Initiative Open Minds Economy eine Working Group der OSB Alliance entstanden, Open Education.

Ein ähnlicher Wandel lässt sich bei der Open Source Business Foundation (OSBF) erkennen. Anfang 2011 formierte sich in ihr die Projektgruppe Open Cloud. Gleichzeitig steigerte die Projektgruppe Events ihre Aktivitäten in Richtung neuer Veranstaltungsformen und -inhalte, bei denen nicht mehr Open Source im Vordergrund stand. Im Frühjahr 2012 entstand auch die über die Nürnberger Initiative FabLab vereinten, auf den Nachwuchs ausgerichteten Projektgruppen Open Education und Electric Creatives. Gleichzeitig finden sich seither in den öffentlich zugänglichen Mitglieder-Newsletters keine Berichte mehr über Aktivitäten der Projektgruppen Embedded, Interoperability, OS Service Quality Alliance und Open Source Research.

Obschon auch vom Projekt Open Cloud keine Neuigkeiten mehr zu finden sind, scheint sich über die Hebel Open Education und Events das Gewicht auf Open XYZ zu verschieben. Ein wichtiger gestalterischer Kopf dieser Neuorientierung könnte der hier schon im letzten Blog-Entry zitierte Unternehmensberater Stefan Probst sein, der in der OSBF sehr engagiert ist. Er ist mit seiner Beschreibung, was alles Open sein könnte, quasi in die Offen-sive gegangen.

Die dritte relevante Organisation in Sachen Open Source ist die Free Software Foundation Europe (FSFE), wobei es ihr nicht nur um Open Source geht, sondern deutlich pragmatischer um Freie Software. Die FSFE versucht sehr engagiert, auf die deutsche und europäische Politik Einfluss zu nehmen. Das betrifft auch offene Standards, was Schnittstellen und Dokumentenformate einschließt, denn die gelten ihr als Voraussetzung für Freie Software. Von diesem obersten Ziel weicht die FSFE nicht ab. Auf ihren Web-Seiten gibt es keine Statements der Organisation zu Themen wie Open Access, Data oder Government, auch wenn offene Standards dafür Voraussetzungen sind.

Die Gründe für die zunehmende Verlagerung der Aktivitäten der klassischen Open-Source-Vereine auf Open-XYZ-Themen sind vielschichtig. Ein Moment besteht sicher allein schon darin, dass Open-Source-Software allgegenwärtig ist und ihre weitere Verbreitung eher positiven Erfahrungen der IT-Anwendern als öffentlich wirksamen Aktionen verdankt.

Ein weiterer Grund dürfte darin bestehen, dass Themen wie Open Access, Open Data, Open Government, Open Education in der Presse deutlich besser aufgenommen werden. Sie sind einfacher zu verstehen als Open Source – wobei die mit Open XYZ immer verbundene und nicht ganz unkomplizierte Lizenzform Creative Commons anscheinend gar nicht so hemmend wirkt. Open Everything entspricht einem vom Internet beeinflussten Zeitgeist, der auf eine Demokratisierung der Gesellschaft durch Offenheit hinausläuft.
Von hervorragender Wichtigkeit aber ist, dass Open-Source-Anbieter – und damit ihre Vereine – sehr gut positioniert sind, um aus dem Openness-Trend geschäftliche Vorteile zu ziehen. Was auch immer offener werden soll: Es braucht dafür offene Standards, Schnittstellen und Dokumentenformate. Mit denen kennen sich Open-Source-Anbieter bestens aus.

Ferner werden öffentliche Verwaltungen und Forschungsinstitutionen bei einer Orientierung auf Offenheit Wert darauf legen, deren technische Umsetzung bestimmt nicht einem einzigen Unternehmen zu überlassen, sondern auch auf Anbieterseite Offenheit voraussetzen. Bei solchen Aufträgen ist reibungslose Kooperation verschiedener IT-Anbieter gefragt. Genau damit, mit vertrauensvoller Zusammenarbeit statt eifersüchtiger Abschottung haben Open-Source-Unternehmen große Erfahrungen.

Kurzum: Open Everything erweitert die geschäftlichen Möglichkeiten der Open-Source-Anbieter.

Open-Source-Software oder Open Irgendetwas?

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 28.10.2012 | Kommentare: 0

Der Open-Source-Hype ist vorbei. Diesen Satz hört man jetzt schon seit zwei, drei Jahren bei jeder Gelegenheit. Beim Marktforschungsunternehmen Gartner, wo die „Hype Cycle“-Grafik erfunden wurde, würde man sagen: Open Source hat die Hype-Phase und ihren „Peak“ hinter sich gelassen und befindet sich nun auf dem Weg ins „Tal der Desillusionierung“, bevor es dann langsam wieder aufwärts geht und einen festen Platz in der IT-Geschichte einnimmt. An das Modell muss man nicht glauben, auch wenn es zumindest auf den ersten Blick zutreffend zu sein scheint.

Ein paar Beobachtungen: Seit Jahren finden Linux und einige Open-Source-Anwendungen, vor allem im Bereich Infrastruktur, unverändert schnell, aber ohne großes Aufsehen immer weitere Verbreitung. Die für einen Hype charakteristischen Schlagzeilen aber haben Linux und Open-Source-Programme auf Desktops gemacht, vor allem in den ersten Jahren des letzten Jahrzehnts. Dabei waren einige Öffentliche Verwaltungen Vorreiter, sogenannte „Leuchtturm-Projekte“. Es gibt sie noch, aber sie haben ihre Leitfunktion eingebüßt. Das Linux-Desktop-Projekt im schweizerischen Solothurn ist ganz eingestellt. In Freiburg steht das OpenOffice-Projekt auf der Kippe. München kann noch solche Erfolge melden, in der Presse kommt es nicht mehr so an wie früher. Das heißt: Die öffentliche Wahrnehmung hat nachgelassen.

Genau genommen hat sich die Aufmerksamkeit verlagert. Ein Beispiel dafür ereignete sich auf dem LinuxTag 2012. In ihrem Grußwort zur Eröffnung erwähnte die Bundes-CIO Cornelia Rogall-Grothe Open Source eher am Rande. Im Vordergrund standen offene Standards und Interoperabilität, Open Data und Open Government fanden prominente Erwähnung.

Was nun? Kommt jetzt Open Allerlei statt Open Source? Ohne Wertung. Denn das könnte ja auch damit zusammenhängen, dass Open Source allgegenwärtig ist, neudeutsch: Commodity, und nicht mehr als etwas Neues, Aufregendes empfunden wird. Viel mehr Schlagzeilen macht hingegen alles andere, wo Open davorsteht: Neben den gerade erwähnten Punkten zum Beispiel Open Access, Open Cloud, Open Education, sogar Open Hardware. Eine umfangreiche Liste hat unter anderem Stefan Probst, Gründer der Open-Source-orientierten Unternehmensberatung Entresol aus Erlangen, hier aufgestellt.

Viele dieser Themen ließen sich auch unter einem Stichwort zusammenfassen: Open Society. Sie sind Ausdruck einer Öffnung der Gesellschaft, einer Demokratisierung im Sinne einer Chance zu mehr Partizipation jedes Einzelnen. Die initialen Kräfte dieser Open-Bewegung kommen nicht aus der Politik, auch nicht von den Grünen. Auch nicht von der Piratenpartei, deren schon wieder verblassender Erfolg viel mit der Offenheit des Internet zu tun hat.

Mit anderen Worten: Die Entwicklung der Technik hat Grundlagen für mehr geschaffen, als ein Dokument schneller und komfortabler als zuvor von A nach B zu befördern. Der Kern dieser Technik ist ihre Offenheit, nämlich frei verfügbare, firmenunabhängige Standards und in weiten Teilen die Umsetzung dieses Prinzips in Gestalt von Open-Source-Software. Open Source ist die Mutter von Open Allerlei.

Entsprechend finden sich in Open XYZ die Grundlagen von Open Source wieder. Berater Probst hat das so formuliert: „Alle diese Initiativen beruhen dabei auf den Ideen und Prinzipien, welche auch die Entstehung von Open Source (anfangs “freie Software”) inspiriert und vorangetrieben haben. Offenheit, Transparenz, Vielfalt, Mitgestaltungsmöglichkeiten, freie Verfügbarkeit und Zugang, Anbieterunabhängigkeit sowie Innovationskraft sind herausragende Stärken von Open Source und gleichzeitig auch ein wesentlicher Antrieb für die Communities, um an offenen Themen mitzuarbeiten und diese aktiv zu gestalten.“

Es nimmt nicht Wunder, dass jetzt der Hype Open Allerlei auf Organisationen der älteren Open-Source-Bewegung zurückwirkt. Ob Open Source Business Alliance oder Open Source Business Foundation: Alle diese Interessenvertretungen haben sich in letzter Zeit immer deutlicher Open-XYZ-Themen zugewendet. Welches Ausmaß das hat, warum das so ist, was die in den Organisationen aktiven Unternehmen davon haben und welche Bedeutung Open-Source-Software überhaupt noch hat, wird hier demnächst in einem zweiten Blog-Beitrag behandelt.

Was ist wichtiger: Open Source oder offene APIs?

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 17.02.2012 | Kommentare: 0

Cloud Computing, so heißt es, wird die IT komplett umgestalten. Nichts soll bleiben von dem, was uns einst und bis heute IT-strategisch so wichtig war und ist. Auch eher zurückhaltende Zeitgenossen reden von einem „Paradigmen-Wechsel“. Jetzt scheint dieser der Open-Source-Szene eine neue Grundsatzdebatte eingebracht zu haben. Ist Open Source künftig noch so wichtig wie in den letzten zehn Jahren, oder werden offene Anwendungsprogrammier-Schnittstellen (APIs) wichtiger?

„Open APIs Are the New Open Source“, lautet eine Schlagzeile ausgerechnet in der Publikation „LinuxInsider“. Noch überraschender ist, wer sie verfasst hat: Jay Lyman, ein leitender Analyst bei 451 Research. Dort ist er Mitautor eines Blogs „Commercial Adoption of Open Source“ (CAOS) – und in dem bisher ausschließlich aufgefallen durch sehr fundierte Untersuchungen, die immer die Vorteile von Open Source hervorgehoben haben.

Nein, Lyman hat sich nicht vom Paulus zum Saulus gewandelt. „Open Source, offene Standards, Open Clouds und besonders Open Data dienen weiter als Grundlagen moderner IT-Offenheit“, schreibt er. Aber die APIs seien inzwischen ebenso wichtig, wenn nicht wichtiger. Vor rund zehn Jahren sei Open-Source-Software für die Anwender gut genug geworden. Heute habe alle Software offene APIs, „und ich glaube, wir sind an einem Punkt, wo nicht-offene Software ‘offen genug’ ist“. Als Beispiel führt er die Cloud APIs der Amazon Web Services an. Die sind gut dokumentiert, deshalb einfach zu adressieren, obwohl sie nicht Open Source sind. Die AWS erfreuen sich großer Beliebtheit; die Anwender stimmen mit ihrer Nachfrage ab. Fazit: Offene APIs sind offen genug.

Lymans Artikel war kaum erschienen, da regte sich schon der zu erwartende Widerspruch. Einer der ersten war Brian Proffitt, Redakteur bei „ITWorld“ und ein alter Open-Source-Hase. Er wandte primär ein, offene APIs reduzierten im Gegensatz zu Open Source nicht die Herstellerabhängigkeit, das Vendor Lock-in. Denn über offene APIs bekommen Anwender nur Zugriff auf die Services, die ein Anbieter zu einem bestimmten Zeitpunkt offeriert. Die Services und die finanziellen Konditionen dafür können sich jederzeit ändern, ohne dass ein Anwender unproblematisch zu einem anderen Anbieter wechseln könnte. Seine IT.Struktur ist schließlich auf diese APIs ausgerichtet, was sich nicht so mal eben schnell ändern lässt.

Proffitt stellt dem entgegen: Open Source bedeutet, dass ein Anwender mit seinen Wünschen und mit seinem Engagement einen gewissen Einfluss auf die Entwickler-Community hat. Bei proprietären Cloud-Anbieter, da können die APIs noch so offen sein, haben Anwender keinen Einfluss. Bestenfalls bereichern sie, wenn sie attraktive Applikationen in eine proprietäre Cloud einstellen (Beispiel Apple), das Angebot dieses Anbieters.

Meines Erachtens zeigen sowohl die Einschätzung von Lyman wie auch der Widerspruch von Proffitt, dass weite Teile der Open-Source-Szene sich noch schwer tun mit einer Beurteilung von Cloud Computing. Open Source on premise und Open Cloud in der Wolke zielen im Grunde beide auf eins: Freiheit der Anwender statt proprietärem Lock-in. Diese Freiheit lässt sich nur durch Offenheit erzielen. Offene APIs sind dazu nicht genug.

Es reicht nicht, APIs ausführlich zu beschreiben. Das sind Dokumente, und die sind folglich immer interpretationsfähig, auch ohne bösen Willen wandelbar. Es muss also eine Referenzimplementierung geben, die unumstößliche Prinzipien beschreibt, welche auch bei zukünftigen Änderungen (aufwärtskompatibel) gelten. Dieses System lässt sich glaubhaft nur machen, wenn in den API ausschließlich offene Standards Verwendung finden. Die dürfen nicht lizenzbehaftet sein, um vor künftigen Überraschungen sicher zu sein. Das ist es, was die Open Cloud Initiative und die Initiative Deutsche Wolke wollen (mehr dazu hier und hier).

Eigentlich ist man dann schon sehr nahe dran an Open-Source-APIs. Warum nicht gleich mit Open-Source-APIs arbeiten? Eher früher als später werden die in der Cloud ein ähnlich gutes Verkaufsargument sein, wie es Open Source im On-premise-Computing war und ist.

Offene APIs statt Open Source?

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 04.01.2012 | Kommentare: 0

„Während es in der letzten Dekade um Open Source ging, wird es in der nächsten um offene APIs gehen.“ Mit diesem Satz beginnt ein Blog-Eintrag von Matt Asay auf „The Register“. Kompliment, auf diese krasse Art sollte ein Beitrag beginnen,der Verfasser buhlt ja schließlich um Leser. Und dass Asay gut schreiben und reden kann, hat er schon als Manager bei Novell, Alfresco und Canonical gezeigt. Der hat kein Problem damit, sich immer wieder weit aus dem Fenster zu hängen.

Diese Art als Self-Marketing abzutun wäre allerdings doch zu simpel. Denn Asay hat gute Gründe vorzuführen. Er hat es nicht schwer, reihenweise Analysten und andere Marktkenner zu zitieren, dass erstens zunehmend Services die IT beschäftigen. So neu ist das nicht. Wie lange dreht sich die IT-Welt schon um Service Management und die IT Infrastructure Library ITIL? Zweitens bedeuten aber Services etwas anderes als Software; denn sie werden über Anwendungsprogrammier-Schnittstellen, über APIs, bezogen.

APIs sind es, die Services zugänglich machen. Es nimmt nicht Wunder, dass seit etlichen Jahren Firmen, die ihrer IT eine Service-Orientierung geben, massiv an APIs arbeiten. Devise: Nicht Applikationen voraussetzen, nicht alle Anwendungen an all die verschiedenen Geräte anpassen, sondern den Geräten über APIs Zugang zu Softwareservices geben. Asay: „Minimaler Aufwand, maximale Produktivität.“ Das gilt nicht nur für den unternehmensinternen IT-Betrieb, sondern auch für die Integration von Partnern und Kunden.

Funktionieren wird eine solche Orientierung nur, wenn auf offene APIs gesetzt wird. Geschlossene Welten schließen immer andere aus – was dem Service-Ansatz Tiefe nimmt. Es bedarf also einer Standardisierung der APIs. Das ist erst recht wichtig, wenn man über einigermaßen überschaubare Systeme, beispielsweise eines Unternehmens, hinaus an Cloud Computing denkt.

Clouds sind dominiert von proprietären APIs. Ein paar Ansätze zu Offenheit gibt es. Die noch junge Open Cloud Initiative verlangt offene APIs. Auf dem Weg in die Richtung ist das Softwareprojekt OpenStack, in dem auf Anregung von Rackspace und Nasa unter anderem AMD, Citrix, Dell, HP und Intel dabei sind. Es soll eine Open-Source-Alternative zu den proprietären APIs der verschiedenen Cloud-Anbieter schaffen, wobei offenbar insbesondere das Google-Angebot und die Amazon Web Services (AWS) in Richtung größerer Offenheit gedrängt werden sollen.

Ich bin der festen Überzeugung, dass die heute fast durch die Bank mit proprietären APIs daherkommenden Cloud-Anbietern sich öffnen werden, wenn erst die Anfangsinvestitionen eingenommen sind. Offenheit wird das entscheidende Marketing-Argument im Cloud-Computing. Bis dahin aber wird es noch etwas dauern. Auch mit der Bestätigung für die Asay-These, offene APIs würden wichtiger als Open Source.

Cloud Computing ist sind gerade erst aus seiner infantilen, von viel Euphorie begleiteten, ersten Phase herausgewachsen. Im Gartner Hype-Cycle hat es den Hype-Peak hinter sich und beginnt nun den steilen Rutsch abwärts in das „Tal der Desillusionierung“. Nach einiger Zeit unten angekommen wird Cloud Computing langsam einer normaler Teil der IT-Welt. Diese Talsohle und dieser Wendepunkt wird markiert von einem Begriff: Open APIs. Vielleicht auch Open Cloud.

Aber erstens wird bis dahin Open Source ohnehin die Entwicklung der IT prägen, und zwar noch stärker als bisher. Zweitens wird auch danach das Fundament des Cloud Computing das sein, was es heute schon ist: Open Source. Diese zwei Aspekte hat Asay übersehen. Kann passieren.

Die neue digitale Kluft

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 22.12.2011 | Kommentare: 0

Breitbandversorgung dürfte in diesem Jahr einer der beliebtesten technischen Begriffe von Politikern gewesen sein. Getan hat sich gleichwohl nicht viel, egal ob drahtlos oder leitungsgebunden. Man schaue sich dazu beispielsweise einmal den Breitbandatlas des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie an. Gleich nördlich des Münchner Autobahnrings A99 können die Leute schon froh sein, wenn sie mit 2 Mbit/s ins Internet kommen. 6 Mbit/s gibt es nur in den Kleinstädten. Rauf Richtung Regensburg, in der Hallertau, wird gespottet, die gelbe Post sei schneller als E-Mail. Mitten durch Bayern ziehen sich breite Streifen krass unterversorgter Gebiete.

Aber es gibt auch Habenichtse dort, wo man flott ins Internet kann. In dem ganz proper ausschauenden Stadtteil im Südwesten Münchens, in dem ich wohne, gibt es haufenweise Haushalte, die nicht einmal einen Computer haben. Es sind vor allem alte Leute und kinderreiche Familien mit Migrationshintergrund, die sich keinen PC leisten können. Letzte trifft es besonders hart; denn immer wieder verteilen Lehrer die Hausaufgaben auf CDs. In einigen Fällen habe ich helfen können, indem ich ausrangierte und zusammengebettelte Desktops verschenkt habe, ausgestattet mit Linux und Open-Source-Software. Ich möchte wetten, dass auf fast allen dieser Geräte inzwischen Windows und Spiele laufen, alles Raubkopien, ansonsten aber Open-Source-Anwendungen. Not schafft solche Verhältnisse.

So ärgerlich Windows und Raubkopien auch sind, schlimmer ist, dass PCs und Breitband-Internet offenbar nichts beitragen zu Bildung, demokratischer Teilnahme am öffentlichen Leben sowie allem, was mit Arbeit und Beruf zu tun hat. Denn was machen die Leute mit ihren Rechnern? Sie surfen, downloaden Musik und Filme, tummeln sich in nutzlosen sozialen Netzwerken wie Facebook und haben im Übrigen nicht den geringsten Schimmer von den damit verbundenen Gefahren.

Das ist „not-working“ und eröffnet eine andere Art der digitalen Kluft: fehlendes Wissen über die Möglichkeiten der digitalen Welt. Auf diese Entwicklung hat Danica Radovanovic in einem Blog der Publikation „Scientific American“ hingewiesen. Sie kommt zu diesem Schluss: „What is important to emphasize is that these digital divides, that go far beyond the pure infrastructure issues, need to become a key focus of engagement for profit and nonprofit organizations as they continue their missions to develop programs for social and digital inclusion.“

Radovanovic moniert „lack of awareness and promotion, digital illiteracy, lack of motivation, information gate keepers, human and economic factors“. Wie es dazu kommt, hat Simon Phipps, der einstige Open-Source-Chef von Sun, in seinem „Computerworld-UK“-Blog an Beispielen beschrieben: Schüler werden in der Anwendung proprietärer Software ausgebildet, statt ihnen anhand von Open Source die Vorteile der Partizipation aufzuzeigen. Erwachsene halten Computer für unergründliches High-Tech-Zeug. Immer wieder soll der Internet-Zugang reglementiert werden. Informationen der öffentlichen Verwaltungen gibt es nur gegen Bezahlung. Schutz der Privatsphäre läuft auf Geheimhaltung hinaus. Politiker ohne IT-Kenntnisse lassen sich von Wirtschaftsinteressen und Einflüsterungen der Lobbyisten leiten.

Allerdings scheint es mir nicht hinreichend, nur an diesen Punkten anzusetzen, um die neue digitale Kluft zu schließen. Es wird jedoch klar, dass Forderungen wie nach Open-Source-Software oder Open Data Ansätze sind, die weit über ihren technischen Inhalt hinausgehend eine gesellschaftliche Dimension haben.

oVirt: Ein Admin-Tool für KVM-Virtualisierung entsteht

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 16.12.2011 | Kommentare: 0

Ein guter Administrator kann, so hat VMware dem Autor einmal erklärt, gleichzeitig etwa 40 virtuelle Maschinen überwachen und steuern. Dabei ist vorausgesetzt, dass er die ziemlich ausgefeilten und teuren Admin-Tools des Anbieters verwendet. Immerhin ist diese Zahl ein Vielfache dessen, was ein Administrator an physikalischen Servern schafft, wobei hier neben den Applikationen auch der Typ und die Größe der Server eine erhebliche Rolle spielen.

In der Linux-Welt ist man noch nicht so weit wie bei VMware. Hier dominiert klar der in Linux integrierte Hypervisor Kernel-based Virtual Machine (KVM). Dessen Beliebtheit hat sich noch deutlich gesteigert, seit im Mai 2011 die Open Virtualization Alliance gegründet wurde, die ihm noch mehr Schub verleihen soll. Anfang November traf sich die Allianz zu einem Workshop, um zu beraten, wie man KVM noch mehr Marktpräsenz verschaffen kann. Dabei wurde klar, dass es verschiedene Management-Tools für mit KVM virtualisierte Umgebungen gibt, allen voran Red Hats „Enterprise Virtualization“ oder „libvirt“ und „v2v“. Aber das sind keine integrierten Komponenten.

Das wird sich demnächst ändern. Canonical, Cisco, IBM, Intel, NetApp, Red Hat und Suse haben sich zusammengeschlossen und das Open-Source-Projekt „oVirt“ gegründet. Es soll eine umfassende Lösung zur Administration von KVM-virtualisierten Servern schaffen. Die Grundlage dazu wird das Produkt Enterprise Virtualization, das Red Hat als Open Source verfügbar gemacht hat.

oVirt wird die Admin-Umgebung für KVM. Das Projekt verfolgt ziemlich ambitionierte Ziele, die alle Administrationsprobleme der Virtualisierung adressieren. Das Management-Tool soll die Verfügbarkeit der virtuellen Maschinen durch präzisere Steuerung ihrer Komponenten (CPU-Anteil, RAM, I/O-Bandbreite etc.) steigern, Live-Migration vereinfachen, einen einfach nutzbaren System-Scheduler mit sich bringen, das Storage-Management umfassen und mehr. Das Ganze wird aus verschiedenen Einzellösungen bestehen, die separat oder als integriertes Tool zu verwenden sind und sich folglich einzeln weiterentwickeln lassen. Das Projekt geht soweit, dass „Building Blocks“ zur Einrichtung von Private oder Public Clouds entstehen sollen.

Angesichts der am Projekt beteiligten Gründungsfirmen ist davon auszugehen, dass oVirt sogleich der Management-Standard in virtualisierten Linux-Umgebungen wird. Das Projekt wird nicht nur für Anwender und Anbieter interessant, die intensiv auf Virtualisierung setzen. Es dürfte auch Auswirkungen dort haben, wo es Intentionen in Richtung Open Cloud gibt. Wer sich frühzeitig darauf einstellen will, ist gut beraten sich mit der bedeutendsten Grundlage, Red Hats Enterprise Virtualization bekannt zu machen.

Open-Data-Plattform wird Open Source

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 06.12.2011 | Kommentare: 0

Open Data, also die programmatische Forderung, wonach viele Informationen der öffentlichen Verwaltungen, Bildungs- und Forschungseinrichtungen der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen sollen, gewinnt auch hierzulande an Boden. Die ersten Ansätze waren noch sehr zaghaft, und die dafür notwendigen Portale wurden aufwendig implementiert. Anders zum Beispiel in den USA: Die Obama-Administration präsentiert fast 400.000 Datensätze auf ihrer Open-Data-Plattform Data.gov.

Jetzt hat die US-Regierung auch noch deren Basis, die „Open Government Platform“, als Open Source veröffentlicht (Download). Diese Softwarekompilation versteht sich als „Data.gov-in-a-Box“. Sie soll es vereinfachen, Open-Data-Portale anzulegen. Es wird auf dieser Grundlage künftig wesentlich weniger Aufwand verursachen, durch Öffentlichkeit mehr Demokratie zu schaffen. Das bei Öffentlichkeitsverhinderungsstellen beliebte Kostenargument ist geplatzt.

Erste Mitgliederversammlung der Open Source Business Alliance

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 21.11.2011 | Kommentare: 0

1 + 1 = 2 – außer wenn sich beispielsweise zwei Interessenvertretungen zusammenschließen. Das war wieder einmal zu erleben auf der ersten Mitgliederversammlung der neuen Open Source Business Alliance, zu der sich LIVE Linux-Verband und die Linux Solutions Group (Lisog) vereint haben. Hier wurden neue Ziele und Leitlinien festgelegt sowie ein neuer Vereinsvorsitzender gewählt.

Mit der Billigung der Jahresabschlüsse und der Entlastung ihrer einstigen Vorstände endete auf der MV endgültig die Geschichte von LIVE und Lisog. Die gemeinsame OSB Alliance, so der offizielle Kurztitel, hat 235 Mitglieder, 128 aus der Lisog und 107 aus dem Linux-Verband. Bei dieser Größe betrachtet sich der Verein als „führendes Netzwerk von Organisationen, die Open Source Software entwickeln, darauf aufbauen oder anwenden“, heißt es in einem Strategiepapier der Vorstands der OSB Alliance.

Dort heißt es auch: „Uns verbindet die Überzeugung, dass wir durch offenes Handeln und das Teilen geistigen Eigentums besser, effektiver und erfolgreicher für unsere jeweiligen Organisationen und für die Gesellschaft handeln können.“ Dieser politische Ansatz und der Bezug auf geistiges Eigentum war in den Vorläuferorganisationen, besonders im LIVE, eine Art „Common Sense“, war dort aber nicht so explizit formuliert.

Umgekehrt gehörte früher im LIVE unbedingtes Eintreten für Open Source zum „guten Stil“. Jetzt heißt es in einer Pressemitteilung der OSB Alliance, in Sachen technischer Entwicklung wolle sie „auf der Basis der Koexistenz von proprietärer und Open-Source-Welt die Interoperabilität beider Seiten verbessern“. Hinzu kommt im Übrigen als Ziel die Interoperabilität von Open-Source-Produkten.

Dazu will der Verein die Zahl seiner Arbeitsgruppen erhöhen. Derzeit gibt es deren vier:

* Im Projekt EVB-IT geht es um die ergänzenden Vertragsbedingungen für die Beschaffung von IT-Leistungen. Die aus ihnen abgeleiteten Vorlagen für Ausschreibungen und IT-Verträge bedürfen einer Neuformulierung, weil sie bisher Open-Source-Anbieter benachteiligen.

* Die Open Thin Client Alliance arbeitet an einer RDP-basierenden, Betriebssystem-unabhängigen Thin-Client-Infrastruktur.

* Die Initiative Deutsche Wolke möchte einen zu 100 Prozent aus Open-Source-Software gebildeten Stack von Cloud-Angeboten für Infrastructure- und Software-as-a-Service schaffen, die ausschließlich deutsche Rechenzentren zur Verfügung stellen.

* Eine viertes Projekt zielt auf die Verbesserung der Interoperabilität des ODF-Formats von Open und LibreOffice mit Microsofts OOXML-Format.

Auf der gesellschaftspolitischen Ebene will der Verein „durch Informationsverbreitung gute Rahmenbedingungen für Hersteller und Anwender von Open Source schaffen“. Auf der MV fiel in diesem Kontext mehrmals die Forderung „Lobby-Arbeit verbessern“. Um insbesondere in der Politik und in der Öffentlichen Verwaltung besser wahrgenommen zu werden, will die OSB Alliance zum einen mehr Mitglieder gewinnen, wozu der Verein den Nutzen der Mitgliedschaft verbessern will. Zum anderen möchte er sein Gewicht durch eine bessere Vernetzung von Hersteller, Kunden und Dienstleister erhöhen.

Weil der inzwischen 75-jährige Lisog-Mitbegründer und Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Strassemeyer, IBM, aus Altergründen zurückgetreten ist, wählte die MV Peter Ganten, Gründer des Bremer Linux-Infrastruktur-Softwareanbieters Univention, zu seinem Nachfolger. Außerdem wählten die Mitglieder Uwe Meyer-Gundelach, Distinguished Engineer von IBM, in den Vorstand. Tarent-Geschäftsführer Elmar Geese, bisher Vorsitzender des LIVE, ist übrigens Mitglied des Vorstands der OSB Alliance.

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