Oracles Strategie und freies Java

von: Elmar Geese | am: 31.08.2011 | Kommentare: 0

Oracle hat seine Lizensierungspolitik weiter geändert. Es wird keine Verteilung des ehemaligen Sun-Java durch Linux Distributionen mehr geben können. Oracle verweist alternativ auf das OpenJDK. Da stellt sich natürlich die Frage: Ist das gut oder schlecht für Java?
Um es kurz zu machen: Ich glaube das es gut ist. In der Zukunft wird es bei vielen Marktteilnehmern ein noch stärkeres Interesse geben, trotz Java Technologieeinsatz nicht alleine von Oracle abhängig zu sein. Daher wird es dazu führen, das die Entwicklung des OpenJDK weiter vorranschreitet, und sich letztlich auch aus dem Oracle Einflussbereich lösen wird.
Für keine Community kann es eine bessere Motivation geben, als die Proprietarisierung und Technologiebeherrschung durch einen Marktführer im Bereich dieser Technologie. Deswegen will Sylvestre Ledru, einer der Debian Maintainer des Pakets (ein weiterer ist übrigens der tarent Mitarbeiter Torsten Werner) auch nicht ein Nachlad- und Installierfunktion für Oracle Java wie bei Flash einbauen. Dazu kommentiert Ledru in seinem Blog:
We could do that but we probably won't. We could either take this opportunity to improve Openjdk.
Permalien 27.08.11 @ 14:52

Java wird so weiter zu einer freien Alternative und Oracle geht gradlinig seinen proprietären Weg, mit ein paar Unberechenbarkeiten, damit es spannend bleibt. Denn das wird nicht das Letzte sein was wir in Bezug auf freies Java von Oracle hören, das zur Zeit ja noch die OpenJDK Entwicklung unterstützt (wie auch die IBM). Wenn Oracle auch das irgendwann beendet, werden wir eine ähnliche Situation wie beim Austieg aus OpenOffice, was zu LibreOffice führte. Nur das es dramatisch mehr Entwickler für Java gibt, als für LibreOffice. Sollte es gelingen, mehr Kontributoren für das OpenJDK zu gewinnen, kann auf Dauer kein proprietärer Anbieter mithalten, wo Wirtschaftlichkeitsaspekte eine Rolle spielen. Im Falle von Oracle sind es aber strategische Gründe und der absehbar unbegrenzte Atem die die eigene Strategie durchzuziehen. In diesem Spiel wird es dennoch keine Verlierer geben, mindestens die Kunden stehen jetzt schon als Gewinner fest, denn sie gewinnen die Freiheit der Wahl. Wer sowieso schon weitreichend Oracle Stacks einsetzt wird davon kaum berührt sein, für alle Anderen gibt es jetzt die Möglichkeit sich besser aufzustellen. Dazu gehört besonders der Mitbewerb von Oracle das gerne von RedHat Führungskräften als Feind No.1 bezeichnet wird. Eine gute Idee wäre, jetzt den Worten Taten folgen zu lassen und sich stark für ein freies Java zu engagieren, schon um den Wert der JBOSS Investition zu schützen.

Ist Open Source kein Firmenmerkmal mehr?

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 07.07.2011 | Kommentare: 0

Matthew Aslett, Analyst in der Abteilung „Commercial Adoption of Open Source (CAOS) Research Service“ in „The 451 Group“, hat eine illustre Entdeckung gemacht: Ihm ist aufgefallen, dass viele Firmen, die sich zumindest einst dem Open-Source-Spektrum, dem Open-Source-Spektrum zurechneten, heute den Terminus Open Source nicht mehr an prominenter Stelle in ihrer Öffentlichkeitsarbeit verwenden, nämlich in der Einleitung ihrer Pressemitteilungen. Was steckt dahinter? Immerhin ist die Selbstdarstellung, so Aslett, „ein entscheidender Indikator, wie eine Firma wahrgenommen werden möchte“.

Aslett hatte sich in einer schnellen ersten Durchsicht 14 Unternehmen vorgenommen. Die Hälfte von ihnen hat sich zuletzt vor einem Jahr als Open-Source-Anbieter in ihrem Fachgebiet positioniert, zwei (Jaspersoft und KnowledgeTree) vermeiden schon länger diese Kategorisierung. Ein weiterer Indikator des Interesses an einer Open-Source-Positionierung ist für den Analysten ihre Bemühung um eine Aktualisierung der quelloffenen Version ihrer Hauptsoftware. Groundwork und wieder KnowledgeTree haben schon mehr als 18 Monate kein Update mehr veröffentlicht, drei weitere haben im letzten halben Jahr nichts Neues herausgegeben, drei andere seit mindestens drei Monaten.

Nach diesem Befund fasste Aslett in einer zweiten Analyse nach und nahm sich 14 weitere Firmen vor. Wieder hatten die Hälfte den Begriff Open Source in den letzten zwölf Monaten nicht mehr verwendet. Und in drei Fällen entdeckte er, dass das letzte Update der Open-Source-Version der Kernprodukte mehr als ein Jahr her ist.

Die Befunde wirken, wie die zahlreichen Leserreaktionen zeigen, irritierend. Die Kommentare bieten eine ganze Reihe von Erklärungen. Im krassesten Fall heißt die Interpretation, manche Firmen hätten ohnehin Open Source nur auf das PR-Panier gehoben, um auf einem Trend mitzureiten, sei mithin ein Marketingmittel gewesen, und sie ließen jetzt nur die Maske fallen. Andere meinen, aufgrund besserer Marktbedingungen für Open Source sei die Lizenz kein hervorhebenswertes Merkmal mehr. Das gelte insbesondere, wenn inzwischen ein nicht OS-affines oberes Management angesprochen werde. Es gehe diesen Anbietern darum, das Interesse von der kostenlosen Open-Source-Version ihrer Produkte auf die kommerzielle Variante umzulenken.

Analyst Aslett sieht es allerdings abgeklärter: „Nur weil eine Firma den Begriff Open Source nicht mehr zur Identifikation verwendet, zeigt nicht notwendigerweise an, dass sie sich von Open Source entfernt. Gleichwohl gibt die Tatsache, dass so viele dieser Anbieter den Terminus aus ihrer Selbstdarstellung gestrichen haben, einen Hinweis, dass Open Source weniger als Unterscheidungsmerkmal betrachtet wird, mit dem sie sich identifizieren.“

Cloud Computing und Open Source: ein unlösbarer Widerspruch?

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 31.05.2011 | Kommentare: 0

Simon Phipps, lange Jahre „rechte Hand“ des einstigen Sun-Chefs Jonathan Schwartz und damals für die Open-Source-Politik von Sun zuständig, ist seither ein gefragter Kongressredner. Kürzlich sprach er auf der Open Source Business Conference (OSBC) in San Francisco über Open Source in Zeiten des Cloud Computing. Dabei hat er einige neue und interessante Ideen dargelegt.

Zunächst erinnerte Phipps an die vier Freiheiten, die Open Source ausmachen: den Sourcecode für alle Zwecke nutzen, ihn studieren, verändern und weiterverbreiten zu dürfen. Genau das funktioniert nicht in einer Cloud. Vielleicht könnte ein Cloud-Provider den Code öffentlich zugänglich bereitstellen und allgemein verfügbar machen. Aber der Code ist zweckgebunden: Anwender verwenden die Programme lediglich als Services, nicht als Eigenbetreiber. Die erste Bedingung für freie Software lässt sich in der Cloud einfach nicht erfüllen.

Deswegen gibt es Stimmen aus Free-Software-Kreisen, die vor Cloud Computing warnen. Doch das ist für Phipps „eine unhaltbare Position“; denn Cloud Computing wird sich zweifellos sehr verbreiten und die Methode des Bezugs von IT-Leistungen in erheblichem Umfang verändern. Deshalb rät Phipps, die Open-Source-Freiheiten nicht als „philosophischen Imperativ“ zu begreifen, sondern die Freiheiten der Anwender unter den Umständen von Cloud pragmatisch zu entwickeln.

Er sieht vier Faktoren in der Cloud, an denen sich Freiheit oder Unfreiheit festmachen werden: Erstens sind da „Kontrollstellen“, denen nicht nur die Geschäftsdaten unterliegen sollten, sondern auch das User- bzw. Identity-Management. Diese elementaren Dinge sollten Anwender unter ihrer Kontrolle haben, um gegebenenfalls den Service-Provider wechseln zu können. Aus dem gleichen Grund brauchen die Anwender zweitens das Recht, alle wichtigen Daten von den Systemen der Provider abziehen zu können. Das betrifft nicht nur die Verlagerung der Daten einer Anwendung in eine gleiche Applikation an anderer Stelle in der Cloud. Vielmehr sollte es auch möglich sein, Daten aus einer Anwendung in eine andere (zum Beispiel in eine andere Tabellenkalkulation) zu übertragen.

Drittens sind neue Service-Risiken zu beachten, die nichts mit Service-Level-Agreements oder Ausfall von Cloud-Diensten zu tun haben. Vielmehr unterliegen die Provider lokalen Gesetzen an den Standorten ihrer Rechenzentren, und auf diese Gesetzgebung hat der Anwender keinen Einfluss. Schlimmstenfalls kann die Cloud-Nutzung anderer Anwender Gesetzgeber zu Handlungen provozieren, welche bestimmte Cloud-Dienste plötzlich unzugänglich machen.

Der vierte und für Phipps wichtigste Punkt ist die Fähigkeit, Cloud-Dienste unverzüglich von einem anderen Anbieter zu beziehen. Das wird sich nur realisieren lassen, wenn die drei erstgenannten Faktoren gegeben sind.

Insgesamt mag das als herzlich wenig Freiheiten erscheinen, resümiert Phipps. Er möchte seine Gedanken daher als Beitrag zu einer beginnenden Debatte verstanden wissen. „Das Denken um Softwarefreiheit und später Open Source hat Jahrzehnte benötigt, um zu reifen. Es ist also keine Überraschung, dass das gleichartige Denken über Freiheit in der Cloud noch sehr jung ist.“

LinuxTag 2011 – der offizielle Bericht

von: Nina Haering | am: 17.05.2011 | Kommentare: 0

Der LinuxTag 2011 ist vorbei und somit auch das größte Open Source Event weit und breit. Trotz mehreren Stimmen, dass die Ausstellung des LinuxTags, die parallel zu Workshops und Vorträgen läuft, in diesem Jahr weniger besucht war im Vergleich zum Vorjahr, verzeichnete der LinuxTag e.V. ein deutliches plus. Vorallem die Anzahl der Vorträge innerhalb der 4 Messetage ist kaum zu toppen – es waren über 200.
Lesen Sie im Abschlussbericht des LinuxTags mehr dazu.

Novell-Entlassungen betreffen auch Suse

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 05.05.2011 | Kommentare: 0

Das nach jeder Firmenübernahme anscheinend Unvermeidliche ist ebenfalls bei Novell eingetreten. Und es trifft auch den Bereich, der bisher noch für ein ganz gutes Geschäft gesorgt hat, nämlich Suse. Der neue Besitzer Attachmate hat im einstigen Novell-Hauptquartier in Utah einige hundert Mitarbeiter gefeuert, darunter etliche aus Produktmanagement, Support und Partnerschaften. Bekanntestes Opfer ist der bisherige Suse-Chef Markus Rex.

Nach Darstellung von Attachmate-Chef Jeff Hawn soll die Entwicklung und das Business mit Suse künftig stärker in der alten Suse-Heimat Nürnberg stattfinden. Das wird den dortigen Mitarbeitern kaum die Angst um ihre Arbeitsplätze nehmen. Denn Hawn hat zu seinem Nürnberger Statthalter Nils Brauckmann berufen, und der hat vor Mitarbeitern verkündet, er wolle „das Marktpotential der Marke Suse entfesseln“. Derartiges „Management-Speak“ lässt nichts gutes erwarten. In der Tat hat Brauckmann in einer Mail an Mitarbeiter bevorstehende Veränderungen angekündigt.

Für Suse-Anwender sind das sicherlich keine guten Nachrichten. Aber es sind auch noch nicht unbedingt schlechte. Denn Suse ist für Attachmate nichts anderes als das, was es schon bei Novell war: das beste Teil vom Ganzen. Der neue Besitzer wird Suse nicht an die Wand fahren, weil er den Business-Wert nicht erkennt. Eher könnte es geschehen, dass die Open-Source-unerfahrene Attachmate die nicht nur an Business-Regeln orientierten Spielregeln im Open-Source-Geschäft nicht kennt. Bis Fehler in dieser Hinsicht durchschlagende Wirkung zeigen, dauert es aber einige Zeit. Zunächst einmal gibt es also keine Ursache, in Panik zu verfallen.

Pamela Jones schließt Groklaw

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 13.04.2011 | Kommentare: 1

Eine der wichtigsten Website in der Geschichte von Linux und Open Source stellt den aktiven Betrieb ein. Ab dem 16. Mai dieses Jahres, genau acht Jahre nach der Gründung, wird „Groklaw“ nicht mehr mit Artikeln und Prozessdokumenten von juristischen Auseinandersetzungen um Open Source berichten. Das hat die Rechtsanwaltsgehilfin Pamela Jones, Gründerin und Betreiberin der Website, erklärt. Nur das bisher veröffentlichte wird weiterhin verfügbar sein.

Viele werden Groklaw vermissen. Schon der Website-Name war Programm, der Slangausdruck „grok“ bedeutet „durchblicken“. Bei der Gründung von Groklaw 2003 ging es Pamela Jones darum, den gerichtlichen Klagen von SCO gegen Linux, die härteste jemals gefahrene Attacke gegen das Open-Source-Betriebssystem, zu dokumentieren, auf Widersprüche und fragwürdige Manöver hinzuweisen und die Verteidigung aufzubauen. Dabei standen ihr alsbald eine ganze Reihe von Mitgliedern der Community zur Seite. Das Ergebnis ist bekannt, in den Worten von Pamela Jones: „Die Krise, die SCO über Linux gebracht hat, ist vorbei, und Linux hat gewonnen. Die SCO von einst gibt es nicht mehr.“

Mit ihrer Arbeit haben Pamela Jones und ihre Mitstreiter Geschichte geschrieben. Sie hat in unzähligen Fällen Journalisten, die über den Kampf von SCO gegen Linux berichteten, das Material geliefert. Bald erschienen die Behauptungen von SCO unglaubwürdig, zunehmend wurden die Drohungen lächerlich, die Manöver grotesk. Das Medienecho fiel entsprechend aus. Das wiederum trug dazu bei, dass sich an Linux interessierte Anwender nicht mehr abschrecken ließen. SCO scheiterte mit dem Business-Modell, Patentrechte zu beanspruchen und darauf aufbauend Schadensersatzforderungen von Wettbewerbern wie Anwendern zu fordern.

Dieses fragwürdige Business-Modell besteht jedoch weiter, wird intensiver denn je verfolgt. „IP-Claims“ und Patentklagen sind dermaßen verbreitet, dass sie inzwischen die Innovationskraft der IT-Industrie einschränken – sogar das gesamte Patentsystem fragwürdig machen. Groklaw hat entsprechend in den letzten Jahren seinen Schwerpunkt hierauf verlagert, war zuletzt auf diesem Schlachtfeld eine große Hilfe.

Aber Pamela Jones zieht einen Schlussstrich. Ihren Abschiedsworten ist Erschöpfung anzumerken. Sie erklärte, sie möchte ihre Zeit und Energie wieder anderen Dingen zuwenden. Und das könne sie jetzt tun, weil sich die Umstände geändert haben. Als sie nämlich Groklaw gründete, gab es nichts, um Linux zu verteidigen, nur die Einsatzbereitschaft einer Community. Heutzutage aber geht es um Patentklagen, die sich gegen Großunternehmen wie Google richten. Google ist reich genug und hat genügend industrielle Verbündete, um sich selbst zu verteidigen.

Das stimmt. Open Source ist kein fragiles Etwas mehr. Open Source ist gereift zu einem integralen und unverzichtbaren Teil der IT-Wirtschaft. Ein ungemein dynamischer und innovativer obendrein.

Heute fällt Meego, morgen QT

von: Elmar Geese | am: 11.02.2011 | Kommentare: 1

Jetzt ist es so gekommen wie wir alle längst erwartet haben: Die sinkenden Schiffe im Smartphone Markt, Nokia und Microsoft, haben aneinander festgemacht. Vermutlich glaubt Nokia, damit das rettende Ufer erreicht zu haben. Aber es ist ein Deal von dem nur Microsoft profitieren kann.
Der Kollateralschaden ist nicht nur im Verlust einiger Arbeitsplätze in Finnland zu suchen, um die dort jetzt besonders gezittert werden dürfte, es gibt auch weitere naheliegende Opfer. Als nächstes dürfte es Trolltech und damit die kommerzielle Entwicklung der QT Plattform treffen. Denn nach der neuen Strategie hat Nokia schlicht und einfach keinerlei Verwendung mehr für QT, denn Meego ist damit für Nokia erledigt, und damit Trolltech als Unternehmen und QT als Technologie.
Was wird nun passieren? Es wird sich vielleicht eine mitfühlende Hand finden, die sich Trolltech annimmt, und die bestehenden Verträge zuende führt. Neues Geschäft mit QT Technologie wird es schwer haben, zumal der mobile Markt nun zugemauert ist. QT ist dort nicht auf Windows neuestem Betriebssystem verfügbar, und “nebenbei” auch nicht auf Android, nicht mal unter Symbian. Desktopprodukte macht Nokia nicht, warum sollte es also weiterhin Geld in das Unternehmen stecken? Und auch dort ist QT nicht mehr auf dem Stand der Zeit, so wird unter Windows auch nach etlichen Jahren Verfügbarkeit .NET immer noch nicht unterstützt, da ist man noch bei ActiveX. Irgendwie erscheint das alles morsch und brüchig.
Intel kann sich jetzt mit Meego alleine vergnügen, was auf Dauer auch nichts bringt. Und was auch immer Intel tut, QT kann es dabei sowieso nicht gebrauchen. Es wird eng für Trolltech werden. Im weitestgehend nicht-kommerziellen Bereich gibt es ja noch KDE, und das braucht die Technologie wenigstens noch unter Linux. Vielleicht stellt sich ein heilsamer Schock ein, und die Community übernimmt die QT Entwicklung, das wäre eine Lösung. In den nächsten Jahren wird QT im Mobilbereich jedoch keine Rolle spielen, weder auf Smartphones, noch auf Tablets. Einen Großsponsor wie Nokia wird es nicht mehr haben, und ein neuer ist nicht in Sicht. Das Thema “unabhängige Plattform” hat sich für QT jedenfalls erledigt. Und die Open Source Community lernt nach der Oracle/Java Geschichte die nächste Lektion: kommerziell getriebene Open Source Projekte haben Probleme mit der Nachhaltigkeit. Bei Basistechnologien wie Meego oder QT kann das besonders wehtun.

1 Kranker + 1 Kranker = 2 Gesunde?

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: | Kommentare: 1

Ein moderner Satz der Nationalökonomie lautet: Wenn Nokia hustet, kriegt Finnland die Grippe. Inzwischen ist das Krankheitsbild von Nokia wohl eher als schwere Bronchitis zu bezeichnen, und die Wirtschaftswissenschaftler dürfen sich einen neuen Spruch einfallen lassen. In den USA hat Microsoft infolge von Übergewicht derart Atemnot, dass die Aktie seit Jahren kaum mehr die 30-Dollar-Marke schafft. Die Siegertypen von einst ringen heute verzweifelt um Luft.

In der neuen Disziplin der ITK, Mobility Computing, können sie gegenüber den Newcomern längst nicht mehr mithalten. Dabei war Nokia hier mit Abstand Meister aller Klassen, und Microsoft hat hunderte Millionen Dollar dafür ausgegeben, wenigstens auf Platz zwei zu kommen. Vergeblich.

Nach Angaben des Marktforschungsunternehmens Canalys war Nokia im 4. Quartal 2009 mit 44 Prozent Marktanteil noch klar marktdominant. Ein Jahr später waren es nur noch 31 Prozent. Platz Zwei hinter Google, dass es im gleichen Zeitraum von neun auf 33 Prozent gebracht hat. Apple hat den zweiten Platz von 2009 verloren, unverändert 16 Prozent Marktanteil reichten im vierten Quartal 2010 nur noch für Platz Drei. Research in Motion ist von 20 auf 14 Prozent abgestürzt. Microsoft hat die Underperformance von 2009 (sieben Prozent) mit zuletzt drei Prozent glatt noch einmal unterboten.

Es gibt also drei Verlierer im Smartphone-Markt: RIM -36, Nokia: -30 und Microsoft -20 Prozent. Und die letzten beiden tun sich jetzt zusammen. Besser gesagt: Nokia versucht zu retten, was zu retten ist, indem es sich Microsoft anschließt. Die Finnen wollen Windows Phone 7 zu ihrer zentralen Smartphone-Plattform machen. Man könnte spotten: Augenstarre Richtung Redmond sind die Spätfolgen jahrelanger Topjobs bei Microsoft. Denn die hatte Stephen Elop, bevor er Nokia-Chef wurde. Dass aus seinem Ziel, ausgerechnet mit dem erfolglosen Windows Phone 7 „die Marktführerschaft bei Smartphones“ zurückerobern zu wollen, nichts wird, ist absehbar.

Der traurige Aspekt dieses Bündnisses ist, dass dabei die Mobile-Linux-Umgebung MeeGo einen wichtigen Unterstützer verliert. Bisher galt diese Gemeinschaftsinitiative mit Intel erklärtermaßen als Nokias Zukunft. Seit einiger Zeit steht die MeeGo-Entwicklung unter Leitung der Linux Foundation. Der ist es gelungen, eine Menge Firmen für das Projekt zu gewinnen. Jetzt wird dieses Bündnis seine Fähigkeiten und seine Entschlossenheit unter Beweis stellen müssen. Der Gewinner des Tages ist aber erst einmal die andere Open-Source-Linie im Smartphone-Business: Google mit Android.

Open-Source-Zentrum wieder in CeBIT-Halle 2

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 10.02.2011 | Kommentare: 0

Auch tarent ist mit Vorträgen und einem Stand vertreten.

Open Source ist ein Publikumsmagnet. Das hat die Deutsche Messegesellschaft im letzten Jahr erlebt und dem Thema für die CeBIT 2011 prompt wieder die Halle 2 zugewiesen. Diese ist schon deswegen besonders attraktiv, weil sie direkt am Haupteingang liegt sowie in ihr mit Datev, Dell, Fujitsu und vor allem IBM große Stände haben. In diesem Jahr sind die Anbieter aus dem Open-Source-Spektrum noch besser zusammengefasst, nämlich im südöstlichen Viertel der Halle, wo es zu den Hallen 3 und 4 geht.

tarent ist mitten in diesem Open-Source-Areal dabei, nämlich auf einem Gemeinschaftsstand der Initiative open source berlin (osb), an dem auch noch Heinlein und Sernet beteiligt sind. In unmittelbarer Nachbarschaft finden sich die Stände von SEP, Univention und Zarafa sowie der Open-Source-Park, in dem unter anderem Bitbone, Netways, Pentaprise und uib Ausstellungsflächen gebucht haben. Gleich daneben stellen sich unabhängige Community-Projekte in der Open Source Project Lounge vor.

Gegenüber des osb-Standes dürfte das Forum Open Source wieder für einigen Auflauf sorgen. Denn dies ist die Bühne für Vorträge zu vielen verschiedenen Open-Source-Themen, die wieder das Linux-Magazin auf die Beine gestellt hat. Im Vortragsprogramm hat sich deutlich niedergeschlagen, dass das Hauptthema der diesjährigen CeBIT, Cloud Computing, auch im Bereich Open Source angekommen ist.

So wird dort zweimal Michael Kleinhenz, tarent-Entwicklungschef und Mitglied der Geschäftsleitung, Vorträge halten. Am Mittwoch, den 2. März, um 13.45 Uhr und am Samstag, den 5. März um 9.15 spricht er zum Thema „Cloud Computing – ein Einstieg und Überblick“.

FOSDEM: Freies Java ist wichtiger denn je !

von: Nina Haering | am: 09.02.2011 | Kommentare: 1

Im Rahmen der am letzten Wochenende veranstalteten Open Source  Entwicklerkonferenz FOSDEM fand ein Java Workshop statt, der von Interesse der Entwickler fast überrollt wurde. Nicht selten waren deutlich mehr Interessenten als Sitzplätze vorhanden.  Der Workshop wurde durch die tarent als Hauptsponsor unterstützt, Elmar Geese, Gründer des führenden Open Source Lösungsanbieters: “Wir freuen uns sehr über das Interesse, das freies Java heute erfährt. Nach unserer Meinung sollte man sich nicht einfach darauf verlassen, das große IT Industrieunternehmen Java herstellen und verteilen. Open Source funktioniert nur dann wirklich, wenn sie in Kollaboration hergestellt wird.” Insoweit sei die jetzige Situation nach dem Erwerb von SUN durch Oracle dazu geeignet das sich auch andere Unternehmen oder Communities mehr als bisher in die Java Entwicklung einbringen.
Auf der FOSDEM hatte auch Oracle’s JDK7-Projektleiter Mark Reinhold zum Thema der zukünftigen OpenJDK-Governance referiert. Geese dazu: “Wir müssen sehen, was da passiert. Wir setzen auf Kooperation, aber wir sind auch vorsichtig. Java ist zu groß und zu wichtig um schleichend reproprietarisiert zu werden.”

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