Cloud Computing und Open Source: ein unlösbarer Widerspruch?

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 31.05.2011 | Kommentare: 0

Simon Phipps, lange Jahre „rechte Hand“ des einstigen Sun-Chefs Jonathan Schwartz und damals für die Open-Source-Politik von Sun zuständig, ist seither ein gefragter Kongressredner. Kürzlich sprach er auf der Open Source Business Conference (OSBC) in San Francisco über Open Source in Zeiten des Cloud Computing. Dabei hat er einige neue und interessante Ideen dargelegt.

Zunächst erinnerte Phipps an die vier Freiheiten, die Open Source ausmachen: den Sourcecode für alle Zwecke nutzen, ihn studieren, verändern und weiterverbreiten zu dürfen. Genau das funktioniert nicht in einer Cloud. Vielleicht könnte ein Cloud-Provider den Code öffentlich zugänglich bereitstellen und allgemein verfügbar machen. Aber der Code ist zweckgebunden: Anwender verwenden die Programme lediglich als Services, nicht als Eigenbetreiber. Die erste Bedingung für freie Software lässt sich in der Cloud einfach nicht erfüllen.

Deswegen gibt es Stimmen aus Free-Software-Kreisen, die vor Cloud Computing warnen. Doch das ist für Phipps „eine unhaltbare Position“; denn Cloud Computing wird sich zweifellos sehr verbreiten und die Methode des Bezugs von IT-Leistungen in erheblichem Umfang verändern. Deshalb rät Phipps, die Open-Source-Freiheiten nicht als „philosophischen Imperativ“ zu begreifen, sondern die Freiheiten der Anwender unter den Umständen von Cloud pragmatisch zu entwickeln.

Er sieht vier Faktoren in der Cloud, an denen sich Freiheit oder Unfreiheit festmachen werden: Erstens sind da „Kontrollstellen“, denen nicht nur die Geschäftsdaten unterliegen sollten, sondern auch das User- bzw. Identity-Management. Diese elementaren Dinge sollten Anwender unter ihrer Kontrolle haben, um gegebenenfalls den Service-Provider wechseln zu können. Aus dem gleichen Grund brauchen die Anwender zweitens das Recht, alle wichtigen Daten von den Systemen der Provider abziehen zu können. Das betrifft nicht nur die Verlagerung der Daten einer Anwendung in eine gleiche Applikation an anderer Stelle in der Cloud. Vielmehr sollte es auch möglich sein, Daten aus einer Anwendung in eine andere (zum Beispiel in eine andere Tabellenkalkulation) zu übertragen.

Drittens sind neue Service-Risiken zu beachten, die nichts mit Service-Level-Agreements oder Ausfall von Cloud-Diensten zu tun haben. Vielmehr unterliegen die Provider lokalen Gesetzen an den Standorten ihrer Rechenzentren, und auf diese Gesetzgebung hat der Anwender keinen Einfluss. Schlimmstenfalls kann die Cloud-Nutzung anderer Anwender Gesetzgeber zu Handlungen provozieren, welche bestimmte Cloud-Dienste plötzlich unzugänglich machen.

Der vierte und für Phipps wichtigste Punkt ist die Fähigkeit, Cloud-Dienste unverzüglich von einem anderen Anbieter zu beziehen. Das wird sich nur realisieren lassen, wenn die drei erstgenannten Faktoren gegeben sind.

Insgesamt mag das als herzlich wenig Freiheiten erscheinen, resümiert Phipps. Er möchte seine Gedanken daher als Beitrag zu einer beginnenden Debatte verstanden wissen. „Das Denken um Softwarefreiheit und später Open Source hat Jahrzehnte benötigt, um zu reifen. Es ist also keine Überraschung, dass das gleichartige Denken über Freiheit in der Cloud noch sehr jung ist.“

LinuxTag 2011 – der offizielle Bericht

von: Nina Haering | am: 17.05.2011 | Kommentare: 0

Der LinuxTag 2011 ist vorbei und somit auch das größte Open Source Event weit und breit. Trotz mehreren Stimmen, dass die Ausstellung des LinuxTags, die parallel zu Workshops und Vorträgen läuft, in diesem Jahr weniger besucht war im Vergleich zum Vorjahr, verzeichnete der LinuxTag e.V. ein deutliches plus. Vorallem die Anzahl der Vorträge innerhalb der 4 Messetage ist kaum zu toppen – es waren über 200.
Lesen Sie im Abschlussbericht des LinuxTags mehr dazu.

Novell-Entlassungen betreffen auch Suse

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 05.05.2011 | Kommentare: 0

Das nach jeder Firmenübernahme anscheinend Unvermeidliche ist ebenfalls bei Novell eingetreten. Und es trifft auch den Bereich, der bisher noch für ein ganz gutes Geschäft gesorgt hat, nämlich Suse. Der neue Besitzer Attachmate hat im einstigen Novell-Hauptquartier in Utah einige hundert Mitarbeiter gefeuert, darunter etliche aus Produktmanagement, Support und Partnerschaften. Bekanntestes Opfer ist der bisherige Suse-Chef Markus Rex.

Nach Darstellung von Attachmate-Chef Jeff Hawn soll die Entwicklung und das Business mit Suse künftig stärker in der alten Suse-Heimat Nürnberg stattfinden. Das wird den dortigen Mitarbeitern kaum die Angst um ihre Arbeitsplätze nehmen. Denn Hawn hat zu seinem Nürnberger Statthalter Nils Brauckmann berufen, und der hat vor Mitarbeitern verkündet, er wolle „das Marktpotential der Marke Suse entfesseln“. Derartiges „Management-Speak“ lässt nichts gutes erwarten. In der Tat hat Brauckmann in einer Mail an Mitarbeiter bevorstehende Veränderungen angekündigt.

Für Suse-Anwender sind das sicherlich keine guten Nachrichten. Aber es sind auch noch nicht unbedingt schlechte. Denn Suse ist für Attachmate nichts anderes als das, was es schon bei Novell war: das beste Teil vom Ganzen. Der neue Besitzer wird Suse nicht an die Wand fahren, weil er den Business-Wert nicht erkennt. Eher könnte es geschehen, dass die Open-Source-unerfahrene Attachmate die nicht nur an Business-Regeln orientierten Spielregeln im Open-Source-Geschäft nicht kennt. Bis Fehler in dieser Hinsicht durchschlagende Wirkung zeigen, dauert es aber einige Zeit. Zunächst einmal gibt es also keine Ursache, in Panik zu verfallen.

Patentschutz für Open-Source-Software ausgeweitet

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 25.04.2011 | Kommentare: 1

In letzter Zeit erlebt das Open Invention Network (OIN) einen rasanten Aufschwung. Allein im ersten Quartal sind der Organisation mehr als 70 Unternehmen beigetraten. Insgesamt sind jetzt auf einmal schon 334 Unternehmen im OIN dabei. Den Verein haben 2005 Canonical, IBM, NEC, Novell, Red Hat und Sony gegründet, um eine Front gegen patentrechtliche Angriffe auf Linux zu bilden. Zu den neuen Mitgliedern aus den letzten drei Monaten gehören Fujitsu General, Hewlett Packard, Facebook, Symantec, das Projekt Open Stack von Rackspace, Juniper und Mandriva.

Das OIN hat mehrere Ansätze, die allesamt darauf hinaus laufen, Patentklagen gegen Open-Source-Software zu verhindern. So schenken Mitglieder ihre Patentrechte direkt der Organisation, die dadurch inzwischen rund 300 Patente ihr eigen nennt. Außerdem übertragen Mitglieder dem OIN die Wahrnehmung von Patentrechten. Das Netzwerk kassiert also Lizenzgebühren, nicht aber von anderen Mitgliedern; denn für die ist die Nutzung solcher Patente kostenlos.

Voraussetzung für die kostenpflichtige oder kostenlose Nutzung von Patenten ist allerdings die rechtsverbindliche Zusage, künftig darauf zu verzichten, eigene Patentrechte gegen Linux und damit verbundene Software – faktisch gilt das für die gesamte Open-Source-Welt – geltend zu machen. Neumitglieder, die keine Patente einbringen können, verpflichten sich in der Regel, künftig auch keine Patente für sich zu reklamieren.

Damit sinkt insgesamt die Chance, mit Aussicht auf Erfolg gegen Linux und andere Open-Source-Produkte Patentklagen zu führen. Denn der Schaden für die eigene Produktentwicklung könnte schnell unkalkulierbare Ausmaße annehmen. Das schreckt normal agierende Softwareunternehmen von patentrechtlichen Angriffen auf Open Source ab. Es ist allerdings noch kein wirksamer Schutz gegen „Patent-Trolle“, also Unternehmen, deren einziger Geschäftszweck darin besteht, möglichst allgemein bis banal beschriebene Erfinderrechte zu kaufen und als Forderung gegen andere Unternehmen einzusetzen.

Das OIN wurde früher eher belächelt, weil es keine relevanten Patente unter seiner Verwaltung habe. Das ändert sich in jüngster Zeit und dürfte ein wesentlicher Grund dafür sein, dass momentan so viele Firmen dem OIN beitreten. Denn dann kommen sie kostenlos an Nutzungsrechte für wichtige IT-Technologien.

Die jüngste Aufwertung des OIN geht auf eine Verfügung des US-amerikanischen Justizministeriums (DoJ) zurück, an deren Entstehung anscheinend auch das deutsche Kartellamt mitgewirkt hat. Das DoJ hat nämlich bestimmt, dass im Zuge des Verkaufs von Novell keineswegs, wie ursprünglich vorgesehen, 882 Novell-Patente für 2,2 Milliarden Dollar an die Gesellschaft CPTN übergehen dürfen, um unter deren vier Beteiligten Microsoft, Oracle, EMC und Apple verteilt zu werden.

Die Bestimmungen des DoJ zur Abwicklung von Novell sind komplex, mehr Details hier. Wichtig ist vor allem, dass alle 882 Novell Patente und die GNU General Public License (GPL), Version 2, und die OIN-Lizenz gestellt werden. Damit hat erstens keiner der vier CPTN-Eigner eine Möglichkeit, Linux und zentrale Open-Source-Software mittels der einstigen Novell-Patente anzugreifen.

Bemerkenswert ist die Begründung der weitreichenden Vorschriften durch das US-Justizministerium: „Das ursprünglich geplante Abkommen hätte die Fähigkeit von Open-Source-Software wie Linux gefährdet, weiterhin Neuerungen zu schaffen und zu konkurrieren.“ Die Zeiten als eine Firma wie SCO mit angeblichen Patentrechten Linux-Hersteller und Anwender mit Klagen überziehen konnte sind endgültig vorbei. Open-Source-Software ist quasi per Regierungsdekret zum Wettbewerbshüter erklärt worden. Und zum Korrektiv gegen einen zunehmend auf das Patentrecht ausweichenden Wettbewerb im IT-Markt. Auch in den USA zeichnet sich ein Umdenken in Sachen Softwarepatente ab.

Pamela Jones schließt Groklaw

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 13.04.2011 | Kommentare: 1

Eine der wichtigsten Website in der Geschichte von Linux und Open Source stellt den aktiven Betrieb ein. Ab dem 16. Mai dieses Jahres, genau acht Jahre nach der Gründung, wird „Groklaw“ nicht mehr mit Artikeln und Prozessdokumenten von juristischen Auseinandersetzungen um Open Source berichten. Das hat die Rechtsanwaltsgehilfin Pamela Jones, Gründerin und Betreiberin der Website, erklärt. Nur das bisher veröffentlichte wird weiterhin verfügbar sein.

Viele werden Groklaw vermissen. Schon der Website-Name war Programm, der Slangausdruck „grok“ bedeutet „durchblicken“. Bei der Gründung von Groklaw 2003 ging es Pamela Jones darum, den gerichtlichen Klagen von SCO gegen Linux, die härteste jemals gefahrene Attacke gegen das Open-Source-Betriebssystem, zu dokumentieren, auf Widersprüche und fragwürdige Manöver hinzuweisen und die Verteidigung aufzubauen. Dabei standen ihr alsbald eine ganze Reihe von Mitgliedern der Community zur Seite. Das Ergebnis ist bekannt, in den Worten von Pamela Jones: „Die Krise, die SCO über Linux gebracht hat, ist vorbei, und Linux hat gewonnen. Die SCO von einst gibt es nicht mehr.“

Mit ihrer Arbeit haben Pamela Jones und ihre Mitstreiter Geschichte geschrieben. Sie hat in unzähligen Fällen Journalisten, die über den Kampf von SCO gegen Linux berichteten, das Material geliefert. Bald erschienen die Behauptungen von SCO unglaubwürdig, zunehmend wurden die Drohungen lächerlich, die Manöver grotesk. Das Medienecho fiel entsprechend aus. Das wiederum trug dazu bei, dass sich an Linux interessierte Anwender nicht mehr abschrecken ließen. SCO scheiterte mit dem Business-Modell, Patentrechte zu beanspruchen und darauf aufbauend Schadensersatzforderungen von Wettbewerbern wie Anwendern zu fordern.

Dieses fragwürdige Business-Modell besteht jedoch weiter, wird intensiver denn je verfolgt. „IP-Claims“ und Patentklagen sind dermaßen verbreitet, dass sie inzwischen die Innovationskraft der IT-Industrie einschränken – sogar das gesamte Patentsystem fragwürdig machen. Groklaw hat entsprechend in den letzten Jahren seinen Schwerpunkt hierauf verlagert, war zuletzt auf diesem Schlachtfeld eine große Hilfe.

Aber Pamela Jones zieht einen Schlussstrich. Ihren Abschiedsworten ist Erschöpfung anzumerken. Sie erklärte, sie möchte ihre Zeit und Energie wieder anderen Dingen zuwenden. Und das könne sie jetzt tun, weil sich die Umstände geändert haben. Als sie nämlich Groklaw gründete, gab es nichts, um Linux zu verteidigen, nur die Einsatzbereitschaft einer Community. Heutzutage aber geht es um Patentklagen, die sich gegen Großunternehmen wie Google richten. Google ist reich genug und hat genügend industrielle Verbündete, um sich selbst zu verteidigen.

Das stimmt. Open Source ist kein fragiles Etwas mehr. Open Source ist gereift zu einem integralen und unverzichtbaren Teil der IT-Wirtschaft. Ein ungemein dynamischer und innovativer obendrein.

Vorwärts in die Vergangenheit

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 08.04.2011 | Kommentare: 0

Nokia hat erklärt, das Handy-Betriebssystem sei nicht mehr Open Source. Zuvor schon hatten die Finnen sich so gut wie komplett aus der Entwicklung der Open-Source-Alternative MeeGo zurückgezogen und an dessen Stelle Windows Phone 7 (WP7) zu dem System erkoren, dem die Zukunft des Hauses gehören soll. Nachdem mit Stephen Elop ein Topmanager von Microsoft Chef bei Nokia geworden war und Microsoft dem finnischen Unternehmen die Orientierung auf WP7 mit einer Milliarde Dollar honoriert hat, wundert die Wende nicht mehr so sehr.

Erstaunlich ist sie aber doch. Nokia hat einst Microsoft gescheut wie der Teufel das Weihwasser und früh sehr viel unterstützt, was alternativ war und viel versprach. Zum Beispiel Qt und den MeeGo-Vorgänger Maego. Damit lag das Unternehmen im Branchentrend, sich immer mehr Open-Source-Produkten zu öffnen. Als Ende der 90er Jahre IBM und SAP verkündeten, nunmehr auch Linux zu unterstützen, war das noch eine Sensation. Heute sind Bekenntnisse zu Open Source nichts Besonderes mehr. Der Kurswechsel von Nokia ist es allerdings. Ein Menetekel?

Stehen nun Open Source schlechte Zeiten ins Haus? Ist Nokia nur der Anführer einer Retrowelle? Man kennt das ja: Miniröcke sind auch alle paar Jahre abwechselnd in oder out. Mallorca war jahrelang überhaupt nicht angesagt, jetzt darf man sich da wieder sehen lassen. Dafür ist die DomRep gerade ganz und gar unmöglich. Wie Jeans mit Schlag. Aber das kommt auch wieder. Zwar kennt die IT Moden (iPad), aber keine wiederkehrenden. Mainframes waren nur nach Meinung einiger Marktanalysten einmal out. IT ist immer eine Vorwärtsentwicklung, keine Wiederholung.

Gewiss wird uns Open-Source-Software, wie wir sie heute kennen, in nicht allzu ferner Zukunft als „altmodischer Kram“ erscheinen. Aber nur weil wir dann bessere Open-Source-Programme für bessere Rechner haben. Ziemlich sicher werden wir dann auch ein noch besseres Software-Entwicklungsmodell kennen. Gewiss ist zugleich, dass es keine Rückkehr zu den Entwicklungsverfahren von einst geben wird.

Microsoft ist die einzige IT-Größe, die versucht, das eigene Geschäft durch Ignorierung und Bekämpfung von Trends zu retten. Nokias überlanges Festhalten am überladenen und veralteten Symbian ähnelt dem. Insgesamt haben beide also Ähnlichkeiten.

Beide haben übrigens durchaus ein gewisses Interesse an Open Source. Microsofts Codeplex-Softwaresammlung ist inzwischen nicht zu verachten. Und auch Nokia mag von Open Source nicht lassen. Da gibt es eine Managerin mit dem Titel „Head of Open Source, Symbian Smartphones“, die verkündet: „We are open!“ Da ist von „open and direct“ die Rede, was explizit „open for business“ heißen soll. Welcher Selbständige ist das nicht?

Nokias Marketing hat erkannt, dass man heutzutage das Wort „open“ ohne Ende strapazieren muss, damit einem nicht gleich die Türen vor der Nase zugeschlagen werden. Es ist nur Fassade. Und die zerbröselt, wenn der Kern erodiert.

Nichts für Sesselfurzer

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 30.03.2011 | Kommentare: 1

Eins steht fest: Open Source ist definitiv nichts für Ruhebedürftige. Vermutlich werden eines Tages Wellness-Center die letzten Orte sein, wo Microsoft-Admins in aller Ruhe eine Maus schupsen – pardon, massieren – dürfen. Open Source lebt sich anders. Ein Aufreger jagt den anderen, mal eine positive Meldung, mal eine negative, mindestens wöchentlich. Und während proprietäre Firmen wie Microsoft eher Amüsement verursachen, fühlen sich ausgerechnet Firmen aus der Open-Source-Ecke für Aufregung zuständig. No trouble no fun, oder so.

So eine Firma ist Google. Die hat nicht nur ein Open-Source-Fähnchen aus dem Hinterzimmer hängen. Der Laden versäumt keine Gelegenheit, Open Source in seinem Marketing-Blabla zu erwähnen. Und nächste Woche macht sie etwas, das die ganze Open-Source-Community im Achteck springen lässt. Oder durch die Decke gehen, bis man weiß, dass die Satellitenbilder von Google Maps völlig veraltete Knipsereien sind.

Google hat wirklich ein irrsinnig „glückliches Händchen“, die Community gegen sich aufzubringen. Erinnert sei daran, wie die Firma einst mit dem Chrome-Browser auf Firefox, damals eins der wenigen erfolgreichen Open-Source-Produkte, losgehen zu wollen – nicht dementierte. Und danach: immer wieder für Verärgerung sorgen. Alleingänge statt Contributions zum Linux-Kernel. Google ist für die Community das Unternehmen nach Microsoft, das die meisten proprietären Ambitionen hat. Die Open-Source-Gemeinde fragt sich schon, ob die Einordnung auf den zweiten Platz gerechtfertigt ist.

Jetzt haben die Shooting-Stars wieder einen Schuss losgelassen, der nach hinten losgeht. Die erste Version von Android 3.0 („Honeycomb“ für Tablets) gibt es nicht für alle, sondern nur für ein paar große PC-Hersteller. Es gibt auch keinen Source Code. Wird nachgereicht, das System sei noch nicht recht fertig, rechtfertigt sich Google. Macht man so Werbung für Android-Tablets? Schafft man so einen fairen Marktzugang für alle Anbieter? Hat nicht Open Source das Prinzip „Release often, release early“? Gibt es überhaupt fertige Software?

Die Ausflüchte von Google klingen schon so, als wäre man sich schon bewusst, dass die Firma diesmal etwas ganz und gar Unmögliches gemacht hat. Android basiert auf Open-Source-Lizenzen, die allesamt verlangen, dass jeder veränderte Code sofort wieder öffentlich zu machen ist. Google hat klipp und klar Lizenzbestimmungen verletzt, welche die sensibelste Grundlage jeder Open-Source-Entwicklung sind.

Der Google-Schritt macht es momentan unmöglich, Android im Namen der Freiheit Apple entgegen zu stellen. Das gilt für Smartphones und Tablets. Umso wichtiger ist, dass die Open-Source-Alternative MeeGo am Leben bleibt. Google braucht genauso Konkurrenz wie Microsoft oder Apple. Doch die Perspektiven von MeeGo lassen einen auch nicht gerade beruhigt ins Bett gehen. Wie war das mit den Mäusen und der Wellness? Die Open-Source-Welt kann manchmal wirklich gemein sein. Nur gut, dass – vermutlich schon morgen – eine andere Meldung die Stimmung wieder einloten wird.

Das sagen Schüler über freedroidz

von: Nina Haering | am: 21.02.2011 | Kommentare: 1

freedroidz ist ein Projekt, was der tarent sehr am Herzen liegt. Das Wichtige an freedroidz ist Kinder und Jugendliche für Software und die IT Branche zu begeistern. Zu zeigen, was alles mit Open Source möglich ist und wie viel Spaß man beim lernen neuer Dinge haben kann. freedroidz soll motivieren und Erfolgsmomente bescheren.
Mit dieser Mission macht sich das freedroidz Team regelmäßig auf den Weg zu Schulen um dort Workshops zu halten. Alles frei nach dem Thema “Mit freedroidz spielend Programmieren lernen”. Besonders schön ist es natürlich im nachhinein zu hören, dass freedroidz die Mission erfüllt hat, wie zuletzt in einem Bericht eines Schülers des Willi-Graf-Gymnasiums Berlin zu lesen war , der im September 2010 an einem freedroidz Workshop teilnahm.

Mehr über freedroidz finden Sie hier.
Sie wünschen Informationen zu freedroidz? Wenden Sie sich gerne via “info@freedroidz.org” an das Team.

Heute fällt Meego, morgen QT

von: Elmar Geese | am: 11.02.2011 | Kommentare: 1

Jetzt ist es so gekommen wie wir alle längst erwartet haben: Die sinkenden Schiffe im Smartphone Markt, Nokia und Microsoft, haben aneinander festgemacht. Vermutlich glaubt Nokia, damit das rettende Ufer erreicht zu haben. Aber es ist ein Deal von dem nur Microsoft profitieren kann.
Der Kollateralschaden ist nicht nur im Verlust einiger Arbeitsplätze in Finnland zu suchen, um die dort jetzt besonders gezittert werden dürfte, es gibt auch weitere naheliegende Opfer. Als nächstes dürfte es Trolltech und damit die kommerzielle Entwicklung der QT Plattform treffen. Denn nach der neuen Strategie hat Nokia schlicht und einfach keinerlei Verwendung mehr für QT, denn Meego ist damit für Nokia erledigt, und damit Trolltech als Unternehmen und QT als Technologie.
Was wird nun passieren? Es wird sich vielleicht eine mitfühlende Hand finden, die sich Trolltech annimmt, und die bestehenden Verträge zuende führt. Neues Geschäft mit QT Technologie wird es schwer haben, zumal der mobile Markt nun zugemauert ist. QT ist dort nicht auf Windows neuestem Betriebssystem verfügbar, und “nebenbei” auch nicht auf Android, nicht mal unter Symbian. Desktopprodukte macht Nokia nicht, warum sollte es also weiterhin Geld in das Unternehmen stecken? Und auch dort ist QT nicht mehr auf dem Stand der Zeit, so wird unter Windows auch nach etlichen Jahren Verfügbarkeit .NET immer noch nicht unterstützt, da ist man noch bei ActiveX. Irgendwie erscheint das alles morsch und brüchig.
Intel kann sich jetzt mit Meego alleine vergnügen, was auf Dauer auch nichts bringt. Und was auch immer Intel tut, QT kann es dabei sowieso nicht gebrauchen. Es wird eng für Trolltech werden. Im weitestgehend nicht-kommerziellen Bereich gibt es ja noch KDE, und das braucht die Technologie wenigstens noch unter Linux. Vielleicht stellt sich ein heilsamer Schock ein, und die Community übernimmt die QT Entwicklung, das wäre eine Lösung. In den nächsten Jahren wird QT im Mobilbereich jedoch keine Rolle spielen, weder auf Smartphones, noch auf Tablets. Einen Großsponsor wie Nokia wird es nicht mehr haben, und ein neuer ist nicht in Sicht. Das Thema “unabhängige Plattform” hat sich für QT jedenfalls erledigt. Und die Open Source Community lernt nach der Oracle/Java Geschichte die nächste Lektion: kommerziell getriebene Open Source Projekte haben Probleme mit der Nachhaltigkeit. Bei Basistechnologien wie Meego oder QT kann das besonders wehtun.

1 Kranker + 1 Kranker = 2 Gesunde?

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: | Kommentare: 1

Ein moderner Satz der Nationalökonomie lautet: Wenn Nokia hustet, kriegt Finnland die Grippe. Inzwischen ist das Krankheitsbild von Nokia wohl eher als schwere Bronchitis zu bezeichnen, und die Wirtschaftswissenschaftler dürfen sich einen neuen Spruch einfallen lassen. In den USA hat Microsoft infolge von Übergewicht derart Atemnot, dass die Aktie seit Jahren kaum mehr die 30-Dollar-Marke schafft. Die Siegertypen von einst ringen heute verzweifelt um Luft.

In der neuen Disziplin der ITK, Mobility Computing, können sie gegenüber den Newcomern längst nicht mehr mithalten. Dabei war Nokia hier mit Abstand Meister aller Klassen, und Microsoft hat hunderte Millionen Dollar dafür ausgegeben, wenigstens auf Platz zwei zu kommen. Vergeblich.

Nach Angaben des Marktforschungsunternehmens Canalys war Nokia im 4. Quartal 2009 mit 44 Prozent Marktanteil noch klar marktdominant. Ein Jahr später waren es nur noch 31 Prozent. Platz Zwei hinter Google, dass es im gleichen Zeitraum von neun auf 33 Prozent gebracht hat. Apple hat den zweiten Platz von 2009 verloren, unverändert 16 Prozent Marktanteil reichten im vierten Quartal 2010 nur noch für Platz Drei. Research in Motion ist von 20 auf 14 Prozent abgestürzt. Microsoft hat die Underperformance von 2009 (sieben Prozent) mit zuletzt drei Prozent glatt noch einmal unterboten.

Es gibt also drei Verlierer im Smartphone-Markt: RIM -36, Nokia: -30 und Microsoft -20 Prozent. Und die letzten beiden tun sich jetzt zusammen. Besser gesagt: Nokia versucht zu retten, was zu retten ist, indem es sich Microsoft anschließt. Die Finnen wollen Windows Phone 7 zu ihrer zentralen Smartphone-Plattform machen. Man könnte spotten: Augenstarre Richtung Redmond sind die Spätfolgen jahrelanger Topjobs bei Microsoft. Denn die hatte Stephen Elop, bevor er Nokia-Chef wurde. Dass aus seinem Ziel, ausgerechnet mit dem erfolglosen Windows Phone 7 „die Marktführerschaft bei Smartphones“ zurückerobern zu wollen, nichts wird, ist absehbar.

Der traurige Aspekt dieses Bündnisses ist, dass dabei die Mobile-Linux-Umgebung MeeGo einen wichtigen Unterstützer verliert. Bisher galt diese Gemeinschaftsinitiative mit Intel erklärtermaßen als Nokias Zukunft. Seit einiger Zeit steht die MeeGo-Entwicklung unter Leitung der Linux Foundation. Der ist es gelungen, eine Menge Firmen für das Projekt zu gewinnen. Jetzt wird dieses Bündnis seine Fähigkeiten und seine Entschlossenheit unter Beweis stellen müssen. Der Gewinner des Tages ist aber erst einmal die andere Open-Source-Linie im Smartphone-Business: Google mit Android.

« Ältere Einträge | Neuere Einträge »