Ratgeber für Open-Source-Lizenzen

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 31.05.2011 | Kommentare: 1

Ja, es ist eine Crux mit den Open-Source-Lizenzen: Ein-paar-und-fünfzig davon gibt es, und Großunternehmen werden wohl eher ihre Rechtsabteilung beauftragen, die Nächste für sich maßzuschneidern, als die schon bestehenden auf ihre Eignung zu prüfen. Kleine und mittelständische Unternehmen stehen erst recht „im Wald“. Verantwortlich dafür ist die Open Source Initiative (OSI), die alle Open-Source-Lizenz-Vorschläge genehmigen muss. Das hat sie dermaßen überreichlich gemacht, dass die Organisation dafür seit Jahren ziemlich „geprügelt“ wird. Jetzt aber muss die Open-Source-Welt mit dem Überangebot leben.

Um das Leben einfacher zu machen, hat sich Brett Smith, ein auf Lizenzrecht spezialisierter Aktiver der Free Software Foundation (FSF), dankenswerterweise an die Arbeit gemacht. Herausgekommen ist ein Lizenzratgeber, der nicht nur die Lizenzen erklärt, sondern auch juristische Feinheiten erläutert. Und zwar in einer verständlichen Art. Er geht von häufigen Anwendungs- und Entwicklungsszenarien für Open-Source-Software aus und entwickelt daraus Empfehlungen.

Generell meint Smith – das ist bei einem FSF-Engagierten nicht anders zu erwarten – als Standard sei das Beste die stärkste Copyleft-Lizenz. Das ist die GNU General Public License Version 3 (GPLv3). Die ist aber ziemlich „viral“ und kompromisslos auf Freiheit angelegt. Deshalb bevorzugen Unternehmen, wie kürzlich der Software-Anbieter OpenLogic in einer Analyse festgestellt hat, die Apache Public License. Die ist liberaler im Umgang mit Closed-Source-Elementen. Smith empfiehlt die APL-Version 2.0. Eine alternative Lizenz, eine alte Kompromissformel der FSF, ist die GNU Lesser General Public License (LGPL). Sie ermöglicht die Nutzung von Open Source in proprietären Anwendungen. Der Lizenzratgeber empfiehlt die LGPL für Software-Bibliotheken.

Sehr viel jüngerer Art sind drei weitere Lizenzempfehlungen: Besonders wichtig ist der Rat zur GNU Affereo General Public License (AGPL) für alle Software, die in Netzen läuft. Sie ist das Mittel der Wahl für virtualisierte Umgebungen, remote Desktop-Steuerung, Private Clouds etc. Für Software-bezogene Dokumente ist nach Ansicht von Smith die GNU Free Documentation License (FDL) anzuraten.

Für alle anderen Dokumente, für Texte wie diesen, Fotos und Videos gibt es die Creative Commons License. Smith rät zur Variante CC BY-SA. Das bedeutet Namensnennung des Autors/Fotografen/Filmers usw. plus Weitergabe unter gleichen Bedingungen. Das ist für FSF-Verhältnisse ausgesprochen liberale Empfehlung.

Für schreibende oder fotografierende Selbständige gestattet sich der Autor dieses Blog-Eintrags den Vorschlag einer anderen Lizenz, unter der er auch alle Beiträge seiner Website stehen hat: CC BY-NC: Namensnennung plus Non-Commercial. Alle Ausbildungseinrichtungen sollen ohne Nachfrage nutzen dürfen, was ich da veröffentliche. So verrät sich das Erbe eines Dorfschulrektors.

Ein neues Feld für Open Source: Hardware

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 16.02.2011 | Kommentare: 2

Hardware-Entwickler haben eine Definition für Open-Source-Hardware veröffentlicht. Sie orientieren sich dabei an der einst nur für Software formulierten Open-Source-Definition der Open Source Initiative (OSI). Open-Source-Hardware hat ein offenes Design und soll es möglich machen, ein physikalisches Produkt nachzubauen, zu verändern und wieder zu verbreiten. So heißt es in den Prinzipien:

„Open source hardware is hardware whose design is made publicly available so that anyone can study, modify, distribute, make, and sell the design or hardware based on that design. The hardware’s source, the design from which it is made, is available in the preferred format for making modifications to it. Ideally, open source hardware uses readily-available components and materials, standard processes, open infrastructure, unrestricted content, and open-source design tools to maximize the ability of individuals to make and use hardware. Open source hardware gives people the freedom to control their technology while sharing knowledge and encouraging commerce through the open exchange of designs.“

Klingt wie eine Erinnerung an meine Gymnasiastentage. Da gab es nämlich einen kleinen Kreis von Elektrobastlern, die darum wetteiferten, Radioempfänger und -sender in immer kompaktere Formen zu bekommen. Schaltpläne und Verpackungstricks wurden bereitwillig untereinander ausgetauscht, um immer bessere und kleinere Geräte zu bekommen. Das ultimative Mogelmittel haben wir nie fertig bekommen; denn es fand sich immer noch eine Verbesserung. Und genau das ist das Problem mit der Open-Source-Hardware.

Denn Hardware muss tatsächlich irgendwann gebaut werden, was meistens länger dauert als bei Software. In der Zeit Fertigungsvorstufe bis erster Produktion sind keine Verbesserungen möglich. Es sind danach auch nicht ständig Nachbesserungen möglich. Release early, release often, die Maximen der Open-Source-Software-Entwicklung, sind bei Hardware unmöglich. Updates gibt es nicht, Bugfixes natürlich auch nicht. Daraus hat Eric Raymond, der Verfasser von „The Cathedral and the Bazaar“ und einer der Vordenker der Open-Source-Bewegung, einmal den Schluss gezogen, Open Source sei nur bei Software möglich.

Das Verdikt ist schon länger etlichen von Open Source faszinierten Leuten herzlich schnuppe gewesen. Vor allem in Ostasien gibt es sehr rege Gruppen, die Radiosender und -empfänger, Verstärker, Fernseher oder Walky-Talkys bauen. In Deutschland gab es mal eine Gruppe, die ein Open Source Car bauen wollte. Das OSCar erhielt für sein Design sogar einen Preis, gebaut wurde es nie. Jüngeren Datums sind die Initiativen Openmoko (ein Handy) und OpenPandora (eine Spielekonsole). Einen Taschencomputer namens NanoNote hat es tatsächlich mal gegeben. Aber letztlich ist aus allen Open-Source-Hardware-Initiativen nicht viel geworden.

Trotzdem gibt es offenbar genug Leute, die von dem Gedanken freier Hardware nicht lassen mögen. Vielleicht bringt ja die Formulierung von Open-Source-Hardware-Prinzipien weiter, obwohl meines Erachtens die Probleme wie oben erwähnt andere Ursachen haben. Doch deswegen sollte man solche Initiativen nicht als Zeitverschwendung missachten. Zumindest werden die Beteiligten an solchen Projekten eine Menge lernen, sowohl über die Technik wie auch über die Schwierigkeiten der Fertigung. Ein ziemlich praxisnahes Studium.

Das Erfreulichste ist allerdings, dass sich offenbar der Open-Source-Gedanke immer tiefer in den Köpfen, in dieser Gesellschaft verankert, dass mit Open Source neues probiert wird, dass nichts abschreckt, weil man allenfalls nicht alleine auf die Schnauze fällt. Anstrengungen in Richtung Open-Source-Hardware sind Ausdruck von Optimismus. Und vielleicht klappt es ja plötzlich doch mit diesem oder jenem Gerät. Der Versuch ist es wert.

Open Source Initiative stellt sich neu auf – eine Einladung

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 18.06.2010 | Kommentare: 0

Die für die Definition von Open Source und die Genehmigung von Open-Source-Lizenzen zuständige Open Source Initiative (OSI) steht vor einem eingehenden Umbau. Das hat Simon Phipps, einst bei Sun der firmeninterne Open-Source-Promoter und weiterhin Mitglied im OSI-Führungsgremium, angekündigt. Nach seiner Darstellung ist die 1998 gegründete Organisation für die heutigen Bedingungen der IT-Industrie nicht genügend aufgestellt.

Explizit erwähnt Phipps in diesem Kontext die Herausforderungen Cloud Computing und Open Data. Hier seien völlig neue Aufgabenbereiche entstanden. Auch wolle die OSI künftig besser Regierungen und unabhängige Organisation bei der Entwicklung von Open-Source-Programmen unterstützen. Schließlich gelte es, die Wucherung des Dschungels von Open-Source-Lizenzen zu verhindern.
Mit Letzterem ist ein Punkt angesprochen, der in den letzten Jahren immer wieder für zum Teil heftige Kritik an der OSI ausgelöst hatte: Die Zahl der OSI-genehmigten Open-Source-Lizenzen ist auf 66 angewachsen, obwohl einige Firmen ihre spezifischen Formen zurückgezogen haben. Lizenzen bewilligt die OSI, wenn sie der Open-Source-Definition entsprechen. Diese hat die OSI in einer Art Zehn Gebote zusammengefasst. Aus der Lizenzinflation haben Kritiker auch den Schluss gezogen, offenbar sei die Definition nicht genau genug.
Auch in der Organisation der OSI soll sich einiges ändern. Bisher entspricht sie der in der Open-Source-Welt üblichen Meritokratie, jedenfalls ansatzweise. Denn ihr Führungsgremium („Board“) ist nicht gewählt, sondern es beruft seine Mitglieder. Immerhin ist die Amtszeit im Board begrenzt. In diesem und nächsten Jahr werden einige Mitglieder ausscheiden. Das nimmt Simon Phipps zum Anlass einer Einladung: Wer sich für Open Source engagiere, ausdrücklich wendet er sich dabei auch an die Kritiker, möge sich melden, um selbst in der OSI mitzuarbeiten.

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