27.4.2010 – Ein sehr hilfreiches Dokument für alle in der öffentlichen Verwaltung, die sich für die Verwendung von Open Source interessieren, hat die EU-Plattform OSOR herausgegeben.
Das „Open Source Observatory and Repository“ (OSOR) ist eine Einrichtung der EU-Kommission. Sie dient europaweit den IT-Stäben von Behörden als Plattform für den Austausch von Informationen und Erfahrungen sowie von Open-Source-Code zwecks Verwendung auf allen Ebenen der öffentlichen Verwaltung. Bekannt ist die Institution vor allem für seine beträchtliche Sammlung von Open-Source-Programmen, die Community-Projekte, Firmen und Behörden selbst entwickelt haben.
Das OSOR hat nun nach mehrjähriger Arbeit eine Studie vorgelegt mit dem Titel „Guideline on public procurement of Open Source Software“. Die 61-seitige Studie (PDF-Download hier) ist englischsprachig, aber sehr einfach zu verstehen, denn sie verlangt keine speziellen juristischen oder IT-technischen Vorkenntnisse. Die Anleitung ist schon deswegen hervorzuheben, weil sie eine Lücke im OSOR-Angebot schließt.
Denn es ist nicht der Mangel an Programmen oder an fehlendem Wollen, der die Verbreitung von Open Source in der öffentlichen Verwaltung behindert. Vielmehr fehlt es zum einen an Wissen über Verfügbarkeit und Quellen von Alternativen zu proprietären Anwendungen. Zum anderen sind „best practices“ in der Beschaffung von Nutzung von Open-Source-Software weitgehend unbekannt. Das führt zu schlechten Beschaffungsverfahren, die auf eine Bevorteilung proprietärer Software hinauslaufen. Aus mangelndem Wissen über alternative Angebote und Wege erliegen IT-Entscheider in der öffentlichen Verwaltung allzu leicht den Einflüsterungen proprietärer Anbieter.
An diesem Punkt setzt die Anleitung der OSOR an. Die Autoren formulieren ihr Ziel so: „Der Zweck dieser Anleitung besteht darin, einzelnen öffentlichen Verwaltungen auf regionaler, nationaler und lokaler Ebene die Beschaffung von Open-Source-Software zu ermöglichen, auch wenn es keine politische Vorgabe in Richtung Open Source gibt.“
Dazu stellen die Autoren unter Berücksichtigung von EU-Vorgaben zunächst allgemein die Prozesse, Prinzipien und Anforderungen für Softwarebeschaffungen in öffentlichen Verwaltungen vor. Dann beschreiben sie diese in Hinblick auf Open-Source-Software und deren Besonderheiten. Die Autoren geben Hinweise, auf welche Aspekte bei der Beschaffung von Open Source für die öffentliche Verwaltung zu achten ist.