Oracle hat seine Lizensierungspolitik weiter geändert. Es wird keine Verteilung des ehemaligen Sun-Java durch Linux Distributionen mehr geben können. Oracle verweist alternativ auf das OpenJDK. Da stellt sich natürlich die Frage: Ist das gut oder schlecht für Java?
Um es kurz zu machen: Ich glaube das es gut ist. In der Zukunft wird es bei vielen Marktteilnehmern ein noch stärkeres Interesse geben, trotz Java Technologieeinsatz nicht alleine von Oracle abhängig zu sein. Daher wird es dazu führen, das die Entwicklung des OpenJDK weiter vorranschreitet, und sich letztlich auch aus dem Oracle Einflussbereich lösen wird.
Für keine Community kann es eine bessere Motivation geben, als die Proprietarisierung und Technologiebeherrschung durch einen Marktführer im Bereich dieser Technologie. Deswegen will Sylvestre Ledru, einer der Debian Maintainer des Pakets (ein weiterer ist übrigens der tarent Mitarbeiter Torsten Werner) auch nicht ein Nachlad- und Installierfunktion für Oracle Java wie bei Flash einbauen. Dazu kommentiert Ledru in seinem Blog:
We could do that but we probably won't. We could either take this opportunity to improve Openjdk.
Permalien 27.08.11 @ 14:52
Java wird so weiter zu einer freien Alternative und Oracle geht gradlinig seinen proprietären Weg, mit ein paar Unberechenbarkeiten, damit es spannend bleibt. Denn das wird nicht das Letzte sein was wir in Bezug auf freies Java von Oracle hören, das zur Zeit ja noch die OpenJDK Entwicklung unterstützt (wie auch die IBM). Wenn Oracle auch das irgendwann beendet, werden wir eine ähnliche Situation wie beim Austieg aus OpenOffice, was zu LibreOffice führte. Nur das es dramatisch mehr Entwickler für Java gibt, als für LibreOffice. Sollte es gelingen, mehr Kontributoren für das OpenJDK zu gewinnen, kann auf Dauer kein proprietärer Anbieter mithalten, wo Wirtschaftlichkeitsaspekte eine Rolle spielen. Im Falle von Oracle sind es aber strategische Gründe und der absehbar unbegrenzte Atem die die eigene Strategie durchzuziehen. In diesem Spiel wird es dennoch keine Verlierer geben, mindestens die Kunden stehen jetzt schon als Gewinner fest, denn sie gewinnen die Freiheit der Wahl. Wer sowieso schon weitreichend Oracle Stacks einsetzt wird davon kaum berührt sein, für alle Anderen gibt es jetzt die Möglichkeit sich besser aufzustellen. Dazu gehört besonders der Mitbewerb von Oracle das gerne von RedHat Führungskräften als Feind No.1 bezeichnet wird. Eine gute Idee wäre, jetzt den Worten Taten folgen zu lassen und sich stark für ein freies Java zu engagieren, schon um den Wert der JBOSS Investition zu schützen.
Oracles Strategie und freies Java
von: Elmar Geese | am: 31.08.2011 | Kommentare: 0
Klage gegen Schweizer Auftrag an Microsoft vorerst gescheitert
von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 08.07.2010 | Kommentare: 0
Vor dem Schweizer Bundesverwaltungsgericht ist eine Klage gegen die Vergabe eines staatlichen Großauftrags an Microsoft gescheitert. Das Verfahren hatte Red Hat im Verein mit 17 weiteren Open-Source-Anbietern, darunter Univention, Collax, Zarafa und Open-Xchange angestrengt. Es richtete sich dagegen, dass das Bundesamt für Bauten und Logistik (BBL) ohne Ausschreibung einen Auftrag im Wert von 47 Millionen Schweizer Franken an Microsoft vergeben hatte.
Der Auftrag betraf offiziell die Verlängerung von Lizenzen, Wartung und Support. Die Kläger hatten bemängelt, dass es vielmehr um die Softwareausstattung von 10.500 neuen Desktops und 17.500 neuen Notebooks ging. Außerdem führten sie an, dass es nicht um Lizenzverlängerungen gehe, sondern um eine Migration von Windows XP auf Vista bei gleichzeitiger Einführung von Sharepoint.
Dieser Argumentation wollten vier der fünf Richter nicht folgen. Das Angebot der Kläger könnte die Microsoft-Umgebung nicht ersetzen. Lediglich ein Richter votierte im Sinne der Beschwerdeführer: Sie seien im gleichen Markt wie Microsoft tätig, das Ergebnis des Auftrags sei nicht der einfache Unterhalt einer bestehenden Lösung, sondern eine Zementierung der Verwendung von Microsoft-Produkten. Die Vergabe schränke den Softwaremarkt auf einen einzigen Anbieter ein.
Die Kläger haben noch nicht entschieden, ob sie in Revision gehen. Dann wäre das Bundesgericht der Eidgenossenschaft zuständig. Wohl eher spaßeshalber hat ein Kommentator auf dem privaten Blog des RedHat-EMEA-Managers Jan Wildeboer vorgeschlagen, 100.000 Unterschriften würden reichen, um in der Schweiz eine Volksabstimmung zu erzwingen.
Wahrscheinlicher ist schon, dass es Druck aus der Politik auf das BBL und andere Behörden geben wird. Denn der Informatikrat der Schweizer Bundesverwaltung gibt seit 2004 die Strategie vor, bei jeder Beschaffung Open-Source-Software gleichberechtigt mit proprietären Produkten in Betracht zu ziehen. Im Parlament haben Nationalräte mehrerer Parteien eine „parlamentarische Gruppe Digitale Nachhaltigkeit“ gebildet. Die setzt sich dafür ein, mit Hilfe von Open Source Steuergelder effizienter einzusetzen. Im März dieses Jahres hat die Schweizerische Fachstelle für Informationstechnologie im Bildungswesen (SFIB) vor einem Microsoft School Agreement gewarnt. Dieses Microsoft-Angebot, nach dem Schulen in Österreich und der Schweiz Softwarelizenzen preisgünstig erwerben können, führe zu verstärkten Abhängigkeiten und Bergen versteckter Kosten.
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