In meiner Wohnung gibt es einige PCs. Seit Jahren ist auf den Systemen Linux das Standard-Betriebssystem, früher Suse, heute Ubuntu. Seit Windows nur noch offline und fast ausschließlich für die Fotobearbeitung genutzt wird (dazu sind die Systeme dual-boot-fähig), gibt es keine Probleme mehr mit Viren und Malware. Die Linux-Rechner sind schon fast ein Sicherheitsparadies. Viele Sicherheitsspezialisten schränken ein: nur so lange, wie Linux keine relevante Verbreitung auf PCs hat. Daran ist schon grundsätzlich etwas falsch. So ist das mit Open Source einhergehende Viel-Augen-Prinzip ein Garant für bessere Software. Aber im Prinzip könnten sie
Recht haben.
Zwei Vorfälle deuten in diese Richtung: Google’s Android-Welt erlebt gerade einen riesigen Erfolg auf Smartphones. Kaum haben die Linux-basierenden Androiden die Marktführerschaft errungen, gibt es eine Welle von Malware-Apps. Ein offenkundiger Grund: Im Gegensatz zur Apple-Welt werden Android-Apps nicht einer Überprüfung unterzogen, bevor sie auf den App-Stores verbreitet werden dürfen. Jetzt gibt es massenhaft scheinbar nützliche oder lustige Apps, die noch ein paar unerwünschte Zusatzfunktionen haben, zum Beispiel Bankverbindungen und Passwörter ausspionieren.
Ein anderer Fall erregt gerade Open Source-Entwickler: Es gibt Websites, die sich per Google-Adwords-Anzeigen zum Download von beliebten Open Source-Programmen anbieten, besonders solche für Windows-Umgebungen. Doch auch hier ist der Code erweitert worden, wiederum um Malware. Bekannt geworden ist der Fall des verbreiteten Media-Players VLC aus dem Projekt VideoLAN. Projektleiter Ludovic Fauvet hat in seinem Blog darüber geklagt.
Der VLC steht unter der GNU General Public License, folglich müsste auch eine Erweiterung um Malware unter der GPL stehen, was sie natürlich nicht tut. Gegen die Vertreiber deswegen nun aber gerichtlich vorzugehen, kann sich das Projekt einfach nicht leisten. Der Effekt: Die Malware schädigt das Image des Produkts, und Projektmitarbeiter sind zu einem erheblichen Teil damit beschäftigt, diesen Schaden zu beheben, mit empörten Anwendern zu kommunizieren. Alles Zeit, die für die Entwicklung des Produkts nicht mehr zur Verfügung steht.
Fauvet benennt 21 Website, die manipulierte VLC-Versionen anbieten. Inzwischen haben andere noch eine 22. Site entdeckt. Auf ihr hat die VLC-Version 1.1.10 zum Beispiel 21.131.264 Bytes, während das Original 21.022.914 Bytes groß ist. Schwer verdächtig. Solche Sites abzuschießen, schreibt ein Kommentator, doch mal eine sinnvolle Beschäftigung für LulzSec- und andere Hackerkonsorten. Fauvet belässt es bei der Empfehlung, den Media-Player VLC ausschließlich von der VideoLAN-Website herunterzuladen.
Weil auch andere Open Source-Programme sehr erfolgreich sind, könnten sie ebenfalls ein Opfer von Manipulationen werden, die über diffuse Quellen vertrieben werden. Daher gilt generell im Umgang mit Open Source: Anwendungen sollte man immer nur direkt von den Websites der Communities oder der bekannten Herstellerfirmen herunterladen.