So gefällt mir die Rückkehr aus dem Urlaub an den Arbeitsplatz: „Die unendliche Geschichte“ (heiseOpen) ist jetzt nun wohl doch vorbei. Leider denke ich schon. Seit fast zehn Jahren hat nicht nur mich SCO amüsiert mit immer neuen – und bizarreren, blamableren – Versuchen, nachzuweisen, das Linux von Unix abgekupfert wurde. Früh war zu erkennen, dass es nichts als ein groß angelegter Bluff war, großen IT-Firmen Millionen aus den Taschen zu ziehen.
Zu solchen Berichten habe ich gern Willy (Mink) Deville gehört: Demasiado Corazon, zu viel Mut. Das Stück ist so gut, dass man damit schon mal den Ärger vergessen konnte, dass SCO mit seinen Klagen auch Anwender überzogen hat. Vergeblich, wie sich bald zeigte. Aber die Firma hat tausende Linux-interessierte Organisationen erst einmal zurückschrecken lassen. Seit Jahren ist davon nichts mehr zu spüren. Die IT-Geschichte ist über SCO hinweggegangen. Und einer der aggressivsten Versuche, „intellectual property“ großzügig zu Kohle zu machen, ist in einem FiaSCO geendet.
Nach elfundneunzig Verfahren hat nun ein Berufungsgericht festgestellt, dass das Copyright an Unix Novell gehört. SCO könnte nur noch beim US Supreme Court Klage erheben. Der Oberste Gerichtshof dürfte diese aber kaum zur Verhandlung annehmen. Also entfallen für SCO nun die Grundlagen für die Klagen gegen IBM, Red Hat und andere. Außerdem muss die Firma gut 2,5 Millionen Dollar an Novell, heute Attachmate, zahlen.
Dazu dürfte es kaum mehr kommen. SCO hat keine nennenswerten Einnahmen mehr. Die Anwender des einst legendären SCO-Unix sind längst zu anderen Unix-Derivaten, vor allem aber zum Hauptgegner Linux gewechselt. SCO hat nichts mehr. Nicht einmal mehr Entwickler, nur noch ein paar Manager. Die werden künftig nicht einmal mehr zur Beauftragung von Anwälten für Klagen gebraucht. Game over.
1.6.2010 – „Von unten“ haben zuerst Netbooks, endgültig dann Smartphones von der Konkurrenz Microsoft das zukunftsträchtige Low-end-Geschäft mit den Massenmärkten im Mobile Computing verdorben – momentan sind hier Google mit Android und Apple die Platzhirsche. Nach oben geht es aber auch nicht weiter.
Einst hat Windows NT die zerstrittenen Unix-Anbieter aus dem Mittelstandsmarkt verdrängt. Seit einiger Zeit aber nimmt Linux im klassischen Mid-Level-Segment Microsoft die Kunden weg. Auf NT folgte sehr oft nicht Windows Server xy, sondern ein Linux-Derivat. Noch eine Stufe höher hat IBM mit Linux den Mainframes zu einem höchst vitalen zweiten Leben verholfen. Ganz, ganz oben, bei den Supercomputern hat Microsoft sich auch versucht. Dies wurde unter Business-Aspekten ein vollkommenes Desaster. Wieder hat Linux den Durchmarsch nach oben verhindert.
In der aktuellen Liste der Top500-Supercomputer finden sich fünf Systeme mit Windows Server HPC 2008, Marktanteil also ein Prozent. Da schneidet sogar noch Unix mit vier Prozent besser ab. Linux aber läuft auf 455 der schnellsten Rechner der Welt. Das sind 91 Prozent dieser Superrechner. Glyn Moody, Redakteur der britischen „Computerworld“, erkennt „die Verzweiflung“ des Microsoft-Teams für Supercomputing schon in einer „Erfolgsmeldung aus dem Jahr 2008. Der Wortlaut:
„Um den neuen und sich ausweitenden Bedürfnissen seiner akademischen und industriellen Anwender zu entsprechen, muss das National Center for Supercomputing Applications (NCSA) an der Universität Illinois, die Plattform unterstützen, die ihren Anwendern bekannt ist, was heißt, mehr als nur Linux-basierende High-Performance-Ressourcen anzubieten. Das NCSA erreichte dieses Ziel, indem es Window HPC Server 2008 auf seinem 1200-Node-Cluster installierte. Windows HPC Server 2008 hilft mit seinen bekannten Tools und Schnittstellen, High-Performance-Computing den durchschnittlichen Anwendern zugänglicher zu machen.“
Nein, das sollte niemals heißen, dass Frau Mustermann ihre astrologische Tagesprognose nicht mehr vom PC holt, sondern genau so einfach, nur halt schneller und differenzierter vom Supercomputer. Nein, nein, es sollte natürlich auch nicht heißen, dass Naturwissenschaftler, die Supercomputer benötigen, solche Fachidioten sind, dass sie vor solchen Großrechnern zu Mausschupsern schrumpfen. Nein, nein, nein! Es sollte nur heißen, dass Microsofts einziges Marketing-Argument Plattformen sind, „die ihren Anbietern bekannt sind“.
Linux hat ein besseres Argument: Es skaliert. Bekannter als Windows ist es in High-end-Kreisen allemal.