Wie Windows in den Iran kommt

von: Elmar Geese | am: 27.09.2010 | Kommentare: 0

Der interessierten Öffentlichkeit ist vermutlich nicht verborgen geblieben, was ein Wurm namens Stuxnet so anrichtet. Prominenter wurde die Situation dadurch, das auch ein iranisches Kernkraftwerk betroffen ist. Man geht von sehr professionellen Autoren der Schadsoftware aus.

Das alles ist nicht neu, schon seit Monaten darf man sich darüber wundern, wie eine Anlagensteuerung durch den Einsatz von Windows kompromittiert wird. Bereits im Juli 2010 wurde die Sicherheitslücke öffentlich bestätigt. Betroffen ist Siemens, als Lieferant des Betriebssystems zeichnet Microsoft verantwortlich. Es erscheint völlig schlüssig, dass am 29.9.2010 auf einer Sicherheitskonferenz in Vancouver 2 Microsoft Experten, Jeff Williams und Peter Ferrie dazu sprechen werden. Soweit alles wie immer. Ausser der Ort des Geschehens. Ich frage mich: wie kommt nicht nur ein deutsche Kernenergieanlage, sondern auch ein amerikanisches Betriebssystem ins Atomkraftwerk Buschehr (Iran) ? Man hört immer was von Handelsembargo.

Das United States Department of Treasury veröffentlicht alles mögliche Wissenswerte zu Thema Embargo, darunter auch das Dokument 741 PART 560—IRANIAN TRANSACTIONS REGULATIONS. In dem steht, was es für Verbote und Ausnahmen gibt. Man kann also nachlesen, was geht und was nicht. Wir können davon ausgehen, das der Einsatz von Windows im Iran grundsätzlich möglich ist, weil er offensichtlich passiert, und weder Microsoft, noch die US Regierung protestieren.
Tatsächlich gibt es eine Fülle von Ausnahmen, die es möglich machen, das auch US oder EU Unternehmen trotz Embargo Geschäfte in den betroffenen Regionen machen können. Es erscheint dennoch merkwürdig: einerseits begibt sich der Iran in Abhängigkeit von den USA und der EU, und vermutlich nicht nur wenn er AKWs betreiben will. Und andererseits beliefert der Westen den Iran mit für diesen existentieller Technologie. Das soll den Iran unter Kontrolle bringen und ist noch dazu ein gutes Geschäft.

So kommt es, das sich niemand darüber wundert, wenn über Windows Würmer im Iran berichtet wird. Vielleicht kommt demnächst raus, das Mahmud Ahmadinedschad ein iPhone hat oder einen Blackberry, und alle finden es normal. Dabei sollte technologische Autonomie ein wichtiges strategisches Ziel sein. Wer kann, löst sich aus seiner Abhängigkeit, wie China oder Brasilien es z.B. mit freier Software tun. Das wäre auch in Deutschland eine gute Idee.

Übrigens: Software wie Stuxnet und artverwandte funktionieren auch auf heimischen Anlagen.

Google sperrt intern Windows aus

von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 02.06.2010 | Kommentare: 1

2.6.2010 – Einer der größten IT-Anwender und -Anbieter der Welt will nicht mehr mit Windows arbeiten. Nach einem Bericht der „Financial Times“ (FT) werden alle neuen Mitarbeiter im Unternehmen nur noch die Wahl zwischen Apple OS X und Linux haben. Bisherige Windows-Anwender sind demnach aufgefordert ebenfalls auf diese Betriebssysteme zu wechseln. Wer noch Windows verwenden will muss eine enorme Hürde nehmen: Er braucht die Genehmigung vom Google-CIO.

Der Grund sei ein „Sicherheitserfordernis“, soll ein Google-Informant der FT gesteckt haben. Der Hintergrund liege in den Angriffen, die Google aus China erlebt habe. Das Unternehmen habe Sicherheitslücken in Windows als das damalige Einfallstor erkannt. „Mit Microsoft fühlen wir uns nicht so wohl, mit Linux schon eher“, wird der Informant zitiert. Viele hätten sich schon nach diesen Ereignisse zum Apple-Betriebssystem geflüchtet.

Die Begründung verdient Zweifel. Denn das Apple-System basiert zwar auf Open Source, ist per se aber closed, nicht einsehbar. Außerdem darf Apple, wie Tests gezeigt haben, im Vergleich zu Windows nicht generell als sicherer gelten. Last, not least, ist man bei Apple wie bei Windows auf das Belieben der Anbieter angewiesen, wann sie Hotfixes herausbringen möchten. Apple unterscheidet sich nicht grundsätzlich von Microsoft – oder wie ein Kommentator auf heiseopen es formuliert: Man kommt damit „vom Regen in die Traufe“.

Über den Grund der Pubilicity-trächtigen Vorgabe von Google darf frei spekuliert werden; denn das Bild passt nicht so recht: Zwar mag Microsoft der Hauptkonkurrent in Sachen Suchmaschinen sein, aber das Feld ist nicht, wo Google hin möchte. Die Firma knüppelt viel mehr in Sachen Smartphone. Bei denen geht es nicht nur um die Dominanz im Markt der mobilen Geräte, sondern vielmehr um die mit ihnen verbundenen Services. In beiderlei Hinsicht ist Apple der Hauptkonkurrent für Google. Und Apple-Chef Steve Jobs sieht es umgekehrt genau so.

Google sollte aus verständlichen Gründen seine Mitarbeiter auf das eigene Linux-Betriebssystem Chrome OS samt Google-Applikationen bringen wollen. Dass den Leuten aber (vorerst?) auch Apple erlaubt bleibt, lässt einen Gegenschluss zu: Noch ist Chrome OS nicht das Gelbe vom Ei. Google-intern scheint es Widerstände zu geben. Was wiederum heißen würde, dass der Ausschluss von Microsoft dem Chrome-Team nicht „von oben“, sondern aus der eigenen Belegschaft, von Kollegen mächtig Druck macht, die Sache zu verbessern. Und genau das scheint dem internen Stil des Hauses zu entsprechen.

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