von: Ludger Schmitz (freier Journalist) | am: 13.04.2011 | Kommentare: 1

Eine der wichtigsten Website in der Geschichte von Linux und Open Source stellt den aktiven Betrieb ein. Ab dem 16. Mai dieses Jahres, genau acht Jahre nach der Gründung, wird „Groklaw“ nicht mehr mit Artikeln und Prozessdokumenten von juristischen Auseinandersetzungen um Open Source berichten. Das hat die Rechtsanwaltsgehilfin Pamela Jones, Gründerin und Betreiberin der Website, erklärt. Nur das bisher veröffentlichte wird weiterhin verfügbar sein.

Viele werden Groklaw vermissen. Schon der Website-Name war Programm, der Slangausdruck „grok“ bedeutet „durchblicken“. Bei der Gründung von Groklaw 2003 ging es Pamela Jones darum, den gerichtlichen Klagen von SCO gegen Linux, die härteste jemals gefahrene Attacke gegen das Open-Source-Betriebssystem, zu dokumentieren, auf Widersprüche und fragwürdige Manöver hinzuweisen und die Verteidigung aufzubauen. Dabei standen ihr alsbald eine ganze Reihe von Mitgliedern der Community zur Seite. Das Ergebnis ist bekannt, in den Worten von Pamela Jones: „Die Krise, die SCO über Linux gebracht hat, ist vorbei, und Linux hat gewonnen. Die SCO von einst gibt es nicht mehr.“

Mit ihrer Arbeit haben Pamela Jones und ihre Mitstreiter Geschichte geschrieben. Sie hat in unzähligen Fällen Journalisten, die über den Kampf von SCO gegen Linux berichteten, das Material geliefert. Bald erschienen die Behauptungen von SCO unglaubwürdig, zunehmend wurden die Drohungen lächerlich, die Manöver grotesk. Das Medienecho fiel entsprechend aus. Das wiederum trug dazu bei, dass sich an Linux interessierte Anwender nicht mehr abschrecken ließen. SCO scheiterte mit dem Business-Modell, Patentrechte zu beanspruchen und darauf aufbauend Schadensersatzforderungen von Wettbewerbern wie Anwendern zu fordern.

Dieses fragwürdige Business-Modell besteht jedoch weiter, wird intensiver denn je verfolgt. „IP-Claims“ und Patentklagen sind dermaßen verbreitet, dass sie inzwischen die Innovationskraft der IT-Industrie einschränken – sogar das gesamte Patentsystem fragwürdig machen. Groklaw hat entsprechend in den letzten Jahren seinen Schwerpunkt hierauf verlagert, war zuletzt auf diesem Schlachtfeld eine große Hilfe.

Aber Pamela Jones zieht einen Schlussstrich. Ihren Abschiedsworten ist Erschöpfung anzumerken. Sie erklärte, sie möchte ihre Zeit und Energie wieder anderen Dingen zuwenden. Und das könne sie jetzt tun, weil sich die Umstände geändert haben. Als sie nämlich Groklaw gründete, gab es nichts, um Linux zu verteidigen, nur die Einsatzbereitschaft einer Community. Heutzutage aber geht es um Patentklagen, die sich gegen Großunternehmen wie Google richten. Google ist reich genug und hat genügend industrielle Verbündete, um sich selbst zu verteidigen.

Das stimmt. Open Source ist kein fragiles Etwas mehr. Open Source ist gereift zu einem integralen und unverzichtbaren Teil der IT-Wirtschaft. Ein ungemein dynamischer und innovativer obendrein.

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Kommentare

Groklaw sollte nicht nur auf SCO reduziert werden. Wichtige andere Gebiete waren die Begleitung der OOXML-Standardisierung: http://www.groklaw.net/staticpages/index.php?page=20051216153153504 und die Geschichte um Massachusetts, z.B. hier: http://www.groklaw.net/article.php?story=20070712160114539 .

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